Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Der LZ-Blätterwald

Logo http://lzplay.pageflow.io/blaetterwald-lzplay-de-1166

Startseite

Seit 2007 richtet die Landeszeitung für die Lüneburger Heide gemeinsam mit dem Trinkwasserwald e.V. das Umweltprojekt LZ-Blätterwald in der Region Lüneburg aus. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie mehr über das Umweltprojekt und wie Sie sich selbst engagieren können.

Los geht's!

Zum Anfang

Ein Blätterwald für Lüneburg

"Einen Baum pflanzen – mir fallen, ehrlich gesagt, nicht viele Aktivitäten ein, bei denen in kurzer Zeit mit überschaubarem Aufwand so viel Sinnvolles geleistet wird. Und das Ganze um ein Vielfaches mehr, wenn man es in fröhlicher Gesellschaft tut.

Als vor einigen Jahren die Idee, sich gemeinsam mit geschultertem Spaten zu „Aufforstungs-Happenings“ aufzumachen, durch den Verein "Trinkwasserwald e.V." in unser Haus getragen wurde, haben wir keine Sekunde gezaudert. Zum einen lieben wir familiäre Happenings mit unseren Lesern. Zum anderen finden wir den Gedanken sympathisch, der Natur etwas zurückzugeben und ausnahmsweise mal nicht zerstörerisch sondern vielmehr schöpferisch einzugreifen.

So konnten die großen und kleinen Teilnehmer der vergangenen Jahre schon viele Hektar Nadelwald mit Laubbäumen unterpflanzen und damit einen wertvollen Beitrag für klare Luft und sauberes Trinkwasser leisten. Dank professioneller Unterstützung von Trinkwasserwald, etlichen Forstleuten und unter Mitwirkung vieler freiwilliger Helfer. Schließlich gilt es, um das Pflanzen der Setzlinge herum etliches vor- und nachzubereiten, damit aus einem kleinen Pflänzlein einmal ein stattlicher Baum heranwachsen kann, an dem sich viele nachkommende Generationen erfreuen können.

Wenn man dann auch noch Sympathisanten wie die DBL Marwitz Textilpflege GmbH und die Bockelmann Holz GmbH an seiner Seite hat, wird der positive Effekt noch um ein Vielfaches verstärkt.

Deshalb freue ich mich noch auf möglichst viele bunte Familientreffen im Wald mit rotbäckigen Kindergesichtern, heißem Punsch und dreckigen Gummistiefeln.
Es gibt doch nichts Schöneres als das gute Gefühl, das Richtige getan zu haben."

Christian von Stern, Geschäftsführer der Landeszeitung für die Lüneburger Heide
Zum Anfang
Bisher nahmen bei zwölf Pflanzfesten „LZ-Blätterwald“ seit 2007 mehr als 2800 Baumpaten vor Ort teil, noch mehr haben gespendet. Insgesamt halfen LZ-Leser rund 85.100 neue Laubbäume im Landkreis Lüneburg, von Amelinghausen bis Bleckede, zusätzlich zu pflanzen. Zwölf Orte, an denen ein Beitrag für eine bessere Grundwasserneubildung und mehr Artenvielfalt geleistet wurde. Das sind auch zehn Aktionen, um die Bedeutung des Waldes für unser Leben neu ins Bewusstsein zu rücken.
Der 13. LZ-Blätterwald entsteht am Sonntag, 22. April 2018, in Boltersen (Gemeinde Rullstorf).

Zur interaktiven Karte geht es
HIER

Infos zur Zugfahrt zur Pflanzfläche in Boltersen mit der Bleckeder Kleinbahn am 22. April 2018 ab Lüneburg Bahnhof gibt es HIER
Zum Anfang

Wir laden zum Pflanzfest!

Kapitel 2: Wir laden zum Pflanzfest!

Ein schönes Beispiel von vielen: Im April 2013 pflanzten rund 380 Baumpaten mehr als 4300 Laubbaumsetzlinge auf der Sturmwurffläche eines ehemaligen Kiefernbestandes bei Heiligenthal.

0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
... stimmen zu jedem Pflanzfest unsere Baumpaten auf das gemeinsame Werk ein.

"Herr Wald ist entstanden, nachdem mich vor sieben Jahren ein Förster vom Verein Trinkwasserwald gebeten hat, Figuren zum Thema 'Trinkwasser und die Verbindung zum Wald' zu konzipieren. Diese Figuren sollten die Pflanzaktionen des Vereins begleiten und für Alt und Jung ansprechend sein. Es gab bereits die Comicfiguren 'Blättchen und Tröpfchen', aber die waren mir zu klein. Ich wollte den größeren Zusammenhang darstellen.
Als ich in meinem Kämmerchen saß und darüber dachte und las, hat mir jemand den Text von Herrn Wald und Frau Wasser ins Ohr geflüstert. Ich habe alles aufgeschrieben, zwei Kostüme machen lassen, eine klassische Tänzerin überzeugt im Wald zu tanzen. Wir haben uns vorgestellt und durften bleiben.Seitdem sind wir mit dem Verein Trinkwasserwald als Frau Wasser und Herr Wald auf Reisen. Wundervoll und wahr."

Markus Bölling, Schauspieler

Zum Anfang
Der LZ-Blätterwald ist ein Pflanzfest für die ganze Familie. Dabei wird auch für das leibliche Wohl der Baumpaten gesorgt mit Suppe und Getränken. Und damit es den jungen Laubbaumsetzlingen mindestens genauso gut ergeht, ist eine gute Vor- und Nachsorge notwendig.

Die Vorsorge
Bei der Flächenauswahl achtet Trinkwasserwald e.V. auf die Eignung des Nadelwaldes, der unterpflanzt werden soll, sowie die Bodenqualität. Ein Vertrag mit dem Waldeigentümer regelt den Bestandsschutz.
Zur Vorbereitung der Pflanzfläche wird gegebenenfalls ein Wildschutzzaun gebaut und die Fläche ausgeschnitten, damit die Baumsetzlinge ausreichend Licht für ihr Wachstum erhalten.
Als letzter Schritt werden, je nach Spendenaufkommen, Tausende Pflanzlöcher für das Fest vorgebohrt und die Laubbaumsetzlinge bei einer regionalen Baumschule bestellt.

Die Gemeinschaft pflanzt
Beim Pflanzfest selbst können die Baumpaten als Pflanzhelfer vor Ort in der Regel sogar mehr Setzlinge in die Erde bringen als sie selbst gestiftet haben. In Gruppen aufgeteilt erhalten die Baumpaten eine kurze Einleitung zum fachgerechten Pflanzen. Getreu dem scherzhaften Appell von Heiner Rupsch: "Das Grüne nach oben und die Wurzeln in die Erde."

Nach dem Pflanzfest
In Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen überprüfen Waldarbeiter zeitnah die Pflanzqualität und bessern Fehlstellen nach, die nicht bepflanzt wurden.
In den folgenden fünf Jahren erfolgt regelmäßig eine Qualitätskontrolle durch Trinkwasserwald e.V. Gegebenenfalls müssen Ausfälle geplanzter Bäume ausgeglichen werden, die beispielsweise durch Mäusefraß, Witterungsextreme oder Wildverbiss entstanden sind. Heiner Rupsch: "Diese Arbeit erfolgt bis die Pflanzung forstlich als gesichert gilt und kann sich mehrmals wiederholen."
Zum Anfang
"Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt."
Weisheit aus Uganda

Der "Blätterwald" wächst in mehrfacher Hinsicht und schlägt Wurzeln. Nicht nur unsere Laubbäume sprießen. Seit 2013 ist der LZ-Blätterwald Teil der niedersachsenweiten Kampagne "Blätterwälder - gemeinsam pflanzen". So haben sich unter anderem die Cuxhavener Nachrichten oder die Rotenburger Kreiszeitung dem Projekt angeschlossen und schaffen mit ihren Lesern weitere Blätterwälder. Und natürlich findet die Idee auch ihren Widerhall im Blätterwald der Landeszeitung.
Zum Anfang

Baumpate werden

Es sind viel zu viele, als dass wir an dieser Stelle alle auflisten könnten, die in den vergangenen Jahren mit uns gegraben, gepflanzt und für den LZ-Blätterwald gespendet oder uns wie die örtlichen Feuerwehren tatkräftig unterstützt haben. Trotzdem wollen wir an dieser Stelle einige von ihnen zeigen und sagen "Danke" an alle diejenigen, die bereits Baumpate geworden sind.
Zum Anfang
Für eine Spende von fünf Euro pro Baum wird durch die Gemeinschaft ein Baum gepflanzt inklusive Wildschutz und Anwuchsgarantie. Dabei hat jeder die Möglichkeit, seine gespendeten Bäume beim Pflanzfest selber in die Erde zu bringen. Wer sich engagieren möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff "Blätterwald" an die Gemeinschaftsadresse von LZ und Trinkwasserwald blaetterwald(a)landeszeitung.de oder eine Postkarte an die LZ-Redaktion, Am Sande 18, 21335 Lüneburg.

Bitte unbedingt angeben: Name, Anschrift, Telefonnummer, die Zahl der gewünschten Baumpatenschaften (fünf Euro pro Patenschaft) sowie ob und mit wie vielen Personen Sie an der Pflanzaktion persönlich teilnehmen. Spenden können beim Pflanzfest in bar oder vorab per Überweisung an den Trinkwasserwald e.V. abgegeben werden: Kennwort “LZ-Blätterwald”, Konto: 634030, Sparkasse Lüneburg (BLZ: 24050110). Die IBAN lautet: DE52240501100000634030

Wichtig: Zum Pflanzfest mitzubringen sind eigene Spaten und gute Laune! Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt.
Zum Anfang
Zum Anfang

Wasserwerk Wald

Kapitel 4: Wasserwerk Wald

Nur auf Waldflächen ist es möglich, die produzierte Grundwasser-Menge zu beeinflussen. Humus und Wurzeln reinigen das Wasser außerdem so gut, dass dort eine herausragende Wasserqualität entsteht.
Wie das Wasserwerk Wald funktioniert, erklärt Forstwirt Heiner Rupsch im Video.

0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang

Peter Lex, Forstdirektor a. D. bei der Bezirksregierung, ist Vorsitzender des Kreisverbandes Lüneburg der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.
Vollbild

Der Wald bereichert das menschliche Leben auf vielfältige Art und Weise: Er ist Refugium, Sehnsuchtslandschaft, aber auch bedeutender Rohstofflieferant und natürlicher Filter für unsere Grundwasserressourcen. Doch wie sieht es eigentlich mit dem Forst und den Wasser-Vorräten in unserer Region aus? Auf den nächsten Seiten finden Sie drei LZ-Reportagen aus dem Jahr 2011, die dieser Frage auf den Grund gehen.


dax Adendorf. Im Wohnzimmer ist der Wald allgegenwärtig: Kupferstiche von knorrigen Eichenbäumen, vor denen majestätisch ein Hirsch thront. Bücherregale, die bis zur Decke ragen und fast ausnahmslos bestückt sind mit Fachliteratur. Peter Lex greift nach einem Sonderdruck der „Allgemeinen Forst Zeitschrift“, Ausgabe 11 aus dem Jahr 1980. Titelthema: die Lüneburger Heide. Rund 1,1 Millionen Hektar davon umfassten Lüneburg bis 1815, „davon 70 Prozent nutzlose oder wenig tragende Heide und Bruch“, zitiert der Adendorfer das Fachblatt. Nicht mehr als zehn Prozent sind auf den Wald entfallen.

Rund ein Jahrhundert später sieht das anders aus: Es ist ein Land mit 53 Prozent Acker- und Wiesenflächen, und immerhin 31 Prozent Wald. Peter Lex kennt sich aus, auch wenn er „ab und zu mal ablesen muss“. Jahrzehntelang arbeitet er im Dienste des Waldes, leitete das damalige Klosterforstamt Lüneburg, war bis 2000 Forstdirektor bei der Bezirksregierung. Er weiß um die Gesundheit der heimischen Wälder – und deren Geschichte. Wenn ein Förster gute Geschäfte machen möchte, dann setzt er auf schlanke, gleichmäßig gewachsene Bäume.

Doch Krankheiten wie das Eschentriebsterben und der Erlenpilz breiten sich immer weiter aus. „Dass Arten wie die Kastanienminiermotte, die ursprünglich aus Südosteuropa stammt, munter werden, kann ein Anzeichen für den Klimawandel sein“, erklärt Lex. Im Kreisverband Lüneburg ist er seit zehn Jahren Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), schreibt Stellungnahmen zu Eingriffen in die Natur. „Unserem Wald geht es einigermaßen gut, aber die Stickstoffemissionen durch Autoverkehr und Mastanlagen sind sehr hoch, das führt immer noch zu Schäden“, sagt er.

Die Göhrde, ein alter Königsforst, ist heute mit rund 10 000 Hektar eines der größten bewaldeten Gebiete der Region. 6000 Hektar umfasst der Lüßwald bei Unterlüß. „Zu deren Erhaltung hat die Jagd der Hannoverschen Könige entscheidend beigetragen“, sagt Lex, kurz bevor er ganz in die Geschichte des Waldes eintaucht: „Sie müssen wissen, die ersten Eingriffe in den Wald haben in der Jungsteinzeit um 3000 vor Christi begonnen.“ Warm- und Kaltzeiten wechselten sich ab – in der kühleren Zeit konnten etwa die Buchen vordringen. Mit einer Energiekrise sah sich die Bevölkerung nach dem 30-jährigen Krieg konfrontiert. „Da wurde deutlich, dass man nicht nur abholzen kann, sondern auch aufforsten muss“, sagt der 76-Jährige.

Ende des 16. Jahrhunderts wurde Kiefer gepflanzt, nur sie konnte auf dem nährstoffarmen, sandigen Heideboden wachsen. Im Mittelalter hingegen breitete sich die Buche massiv aus. „Gäbe es den Menschen nicht, wäre Niedersachsen heute bis auf die Moore mit dieser Baumart besiedelt.“

Die klassische Heidewirtschaft mit Plaggen, Schafzucht und Imkerei brach um 1870 zusammen. „Der Kunstdünger wurde erfunden, die Wolle kam aus Australien, gesüßt wurde nicht mehr mit Honig, sondern mit Rohrzucker – viele Höfe gingen pleite“, sagt Lex. Im selben Jahr begannen die Provinz Hannover und die Hannoversche Klosterkammer große Flächen aufzukaufen. Die Böden wurden mit Dampfpflügern bearbeitet, im großen Stil mit Kiefern aufgeforstet. „Durch deren Nadelfall entstand eine Humusschicht, die Nährstoffe von Unter- auf Oberboden transportierte. Dieser Effekt machte viele Böden laubholzfähig.“

Peter Lex setzt sich im Sessel auf, nimmt ein Foto in die Hand: „Das hier ist der General Grant, mit 81,5 Metern Höhe und einem Fußumfang von 30,8 Metern drittgrößter Baum der Erde.“ Zwei Wochen tourte Lex im Mai mit Mitgliedern des Brandenburger Forstvereins  durch den Westen der USA, eine Reise der Superlative. „Das Repertoire an Baumarten in der Lüneburger Heide ist zwar wesentlich geringer als in Amerika, aber trotzdem sehr vielfältig“, sagt der Forstdirektor a.D.          
Peter Lex, Forstdirektor a. D. bei der Bezirksregierung, ist Vorsitzender des Kreisverbandes Lüneburg der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.
Schließen
Zum Anfang

Vollbild
dax Göhrde. Für die Spaziergänger ist es ein Waldweg wie jeder andere. Peter Brauer hingegen weiß um die historische Bedeutung: „Nehmen Sie Haltung an, hier sind Wilhelm I. und Wilhelm II. immer zur Jagd gefahren“, sagt er und deutet nach links. „Diese Eichen sind im Dreißigjährigen Krieg aufgewachsen, damals waren in der Göhrde viele Wölfe unterwegs. Es gibt ein Sprichwort „Wo der Wolf jagt, wächst der Wald'.“ Die Wanderung ist ein Heimspiel für den gelernten Forstingenieur, der bis zu seinem Ruhestand in der Bezirksregierung Lüneburg arbeitete. Seit mehr als 50 Jahren bietet er Führungen für Erwachsene an, Anschauungsmaterial ist alles, „was mir am Wegesrand begegnet“. Er betrachtet den Wald als Organismus, stellt sich etwa die Frage, wie dessen Bewohner ihr Leben organisieren. „Was der Wald mir sagt“ heißt eine mehrstündige Exkursion, die Peter Brauer in Zusammenarbeit mit dem Naturum Göhrde anbietet.

Der Forstexperte ist immer im Training. „Baumarten versuche ich, von Weitem zu erkennen. Schauen Sie, die Stieleiche hat zum Beispiel eine gröbere Borke als die Traubeneiche.“ Peter Brauer steht im Breeser Grund, der letzten offenen Heidelandschaft in der Göhrde. „Bis 1885 hatten 27 Dörfer das Huterecht in der Region, mit mehr als 1000 Schafen. Die Rechte waren genau aufgeteilt: Die Landesherren hatten das Jagdrecht, das Amt Hitzacker das Holzrecht, die Bauern das Heide- und Huterecht.“ Gefördert worden seien vor allem die Eichen – „wegen der Schweinezucht“. Bis 1918 ist die Göhrde kaiserliches Jagdgebiet, bis 1945 Staatsjagdrevier. Der Förster entdeckt eine umgestürzte Eiche, deren knorrige Wurzeln aus dem Boden ragen. „Hirschkäfer-Weibchen legen ihre Eier daran ab, vier bis fünf Jahre brauchen die Engerlinge, so heißen die Larven, um zu Hirschkäfern zu werden. Sie sind eine wahre Delikatesse für Wildscheine – das heißt, es wird ordentlich gebuddelt.“

Vom Breeser Grund spaziert Peter Brauer tiefer in den Wald hinein, bleibt bei einem Büschel aus fast ein Meter langen, rotbraun gefärbten Halmen stehen. „Das ist Pfeifengras. Warum man es so nennt? Es hat keine Knoten wie andere Gräser, also keine Gelenke. Mit dessen Hilfe haben die Schäfer ihre Pfeife früher in Gang gebracht.“ Der Förster kennt viele kleine Geschichten, sorgt für Aha-Erlebnisse bei den Gästen. „Wussten Sie, dass Pfifferlinge über die Wurzel mit Eichen oder Kiefern verbunden sind? Sie liefern den Bäumen Mineralstoffe aus der Humusschicht.“

Der Wald ist für den Experten über all die Jahre gleichermaßen faszinierend geblieben: „Diese Vielfalt ist für den Menschen kaum fassbar. Jedes noch so kleine Lebewesen hat eine Funktion.“ Das Wachstum ist nicht nur vom Boden abhängig, „sondern von Luftmassen, die der Wald veratmet, und wieder recycelten Nährstoffen, die über den Humusboden zur Verfügung stehen“, erklärt Peter Brauer. In der Hand hält er einen kugelförmigen Pilz, den Flaschenbovisten. Ein leichter Fingerdruck genügt – und es entweicht feiner Staub.

Die gleiche Route geht der Förster auf seinen Exkursionen nie ab. Bei 10 000 Hektar Wald findet sich immer etwas Neues: Etwa Mauersegler, die einstige Spechthöhlen in mehr als 400 Jahre alten Eichen als Brutstätte nutzen. „Das ist eine Seltenheit, die nächste Population dieser Art finden Sie erst im Ostharz“, betont Peter Brauer. Nur wenige Meter weiter findet er das nächste Anschauungsmaterial: Zunderschwämme an einer alten Buche. „Man kann an ihnen die Jahresringe zählen – 2008, 2009, 2010, so lange wachsen sie bereits an diesem Stamm.“

Etwa zwei bis drei Stunden dauert der Ausflug durch die Göhrde. „Meist länger, denn es gibt überall etwas zu entdecken“, sagt der Nieperfitzer. Er ist überzeugt: „Eigentlich muss ein Förster mindestens 150 Jah- re alt werden, um zu sehen, wie sich der Wald verändert.“
Schließen
Zum Anfang

Vollbild
dth Neu Süttorf. Rund 4, 3 Millionen Kubikmeter Grundwasser fördert der Wasserbeschaffungsverband (WBV) Elbmarsch jährlich unter anderem in seinen insgesamt fünf Wasserwerken und versorgt damit das Gebiet von Drage, Winsen/ Luhe über Bardowick und Adendorf bis Bleckede, Dahlenburg und Amt Neuhaus. Eine der Anlagen ist das Wasserwerk Breetze im Neetzer Ortsteil Neu Süttorf. „Bei uns liegt die Trinkwasserversorgung immer noch in kommunaler Hand“, sagt Jens Böther, Vorsteher des WBV Elbmarsch. „Im Vordergrund steht nicht die Gewinnmaximierung, sondern der Anspruch, den Einwohnern der Region qualitativ gutes Trinkwasser zu liefern.“ Dabei profitiert der WBV von der waldreichen Region.

Das Wasserwerk Breetze erhält sein Rohwasser aus drei Brunnen, die zwischen 120 und 150 Meter tief sind und mitten im Wald liegen. Die Grundwasserkörper werden dabei aus Regen gespeist, der im Boden versickert. Dabei wirkt der Waldboden als großer Wasserspeicher. Alles Wasser, das über die Speicherkapazität hinaus geht, fließt gefiltert in den Grundwasserkörper ab, aus dem das Trinkwasser gewonnen wird, das später zu Hause aus dem Wasserhahn fließt. „Zwar könnte man bereits das gewonnende Rohwasser trinken, doch etwa zum Wäschewaschen würde es sich kaum eignen. Es sei denn, man ist bereit, die Wäsche anschließend zu bleichen“, erklärt Betriebsleiter Jürgen Lütgens. „Denn das Rohwasser ist relativ eisen- und manganhaltig.“ Das wird im Wasserwerk Breetze in acht großen Filterbehältern mit einem Volumen von je rund 40 000 Litern behandelt. „Beispielsweise zur Enteisung führen wir dem Rohwasser technischen Sauerstoff zu, die Eisenanteile oxidieren, das Wasser rostet quasi. Die Rostpartikel werden anschließend herausgefiltert.“

Böther: „Für viele Menschen ist fließend Wasser oft viel zu selbstverständlich. Sie wissen auch nicht um die Bedeutung des Waldes für unser Grundwasser. Deswegen unterstützt der WBV Elbmarsch den LZ- Blätterwald, um das Bewusstsein dafür zu fördern.“

Der Blätterwald in Bleckede entstand 2011, im Einzugsbereich des Wasserwerks Breetze.
Schließen
Zum Anfang

Gemeinsam stark

Der gemeinnützige Umweltschutzverein Trinkwasserwald e.V. (gegründet 1995) fördert deutschlandweit den standortgerechten Waldbau, um damit langfristig Trinkwasser als Lebensquelle zu sichern.

Durch die gezielte Unterpflanzung von Nadelwäldern mit Laubwäldern entstehen wieder natürliche, artenreiche Wälder, die im Bundesmittel in Deutschland durchschnittlich 800.000 Liter Wasser pro Jahr und Hektar dem Grund- beziehungsweise Trinkwasser dauerhaft zuführen. Bisher wurden durch Trinkwasserwald e.V. ca. 2.300 Hektar Nadelwald zu „Trinkwasserwäldern“ umgewandelt und damit rund zwei Milliarden Liter Grundwasser zusätzlich generiert. Diese Menge sichert den Trinkwasserbedarf von rund 70.000 Menschen – lebenslang und generationsübergreifend.

Zum Trinkwasserwald e.V. gelangen Sie HIER.
Zum Anfang

Kapitel 5: Gemeinsam stark

Umweltminister Olaf Lies ist Schirmherr
"Bäume zu pflanzen und den Wald zu entwickeln, das machen wir nicht für jetzt, das machen wir für die Zukunft. Das ist echt nachhaltig. Und das ist etwas, was bleibt und was Generationen nach uns noch wahrnehmen und erleben“, sagt Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies, der die Schirmherrschaft für den LZ-Blätterwald übernommen hat.

0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
Zum Anfang

Credits

Diese Pageflow-Reportage ist ein Projekt der Landeszeitung für die Lüneburger Heide.

Redaktion:
Katja Grundmann, Dennis Thomas
Gestaltung:
Katja Grundmann
Autoren:
Dennis Thomas, Katja Grundmann, Felicitas Daxner
Fotos:
Andreas Tamme, Hans-Jürgen Wege, Michael Behns
Videos:
Katja Grundmann, Frank Lübberstedt, Dennis Thomas, Hans-Joachim Boldt, Lennart Hillmann

Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden