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Lüneburg zur Reformation

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Das Stadtbild im 16. Jahrhundert

Was müssen Reisende über diese Stadt gestaunt haben! Geschützt von hohen Mauern, gesegnet von unermesslichem Reichtum befindet sich Lüneburg Anfang des 16. Jahrhunderts auf dem Höhepunkt seiner Blüte. Der weiße Rauch der Salinenfeuer zieht über die Dächer der Stadt, als ständige Erinnerung, dass der Wohlstand dieser Siedlung gesichert ist. 

Doch unruhige Zeiten stehen bevor -- ein Mann namens Luther will den Glauben reformieren, seine Thesen finden immer mehr Anhänger. Das sehen die Lüneburger Ratsherren gar nicht gerne -- und gehen rabiat gegen die Lutheraner vor.

Mit Bildern, Karten, Filmen und Tondokumenten wollen wir einen kleinen Einblick in die Lüneburger Reformationszeit geben. Wir fangen an -- mit einem Porträt der Stadt. 

Bild: Lüneburg aus der Vogelschau (gesüdet), Ca. 1580
Quelle: Stadtarchiv Lüneburg



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Mit ihren etwa 14.000 Einwohnern war Lüneburg um 1530 eine der Großstädte in Mitteleuropa. Reiche Sülfmeister und Brauer sowie ärmere Handwerker und Hafenarbeiter teilten sich den engen Platz - etwa 84 Hektar - der von den massiven Stadtmauern umringt war.

Die heutige Millionenstadt Hamburg hatte damals gerade Lüneburg in ihrer Bevölkerungsentwicklung  überholt: An dem Zusammenfluss von Elbe und Alster lebten etwa 20.000 Menschen.

Der Reichtum Lüneburgs war zu dieser Zeit legendär. Denn das Salz, das die Stadt so einen großen Reichtum schenkte, wurde im großen Stil abgebaut: 25.000 Tonnen jährlich wurden Schätzungen zufolge umgesetzt - um diese Zahl nochmal deutlich zu machen: Das sind 25 Millionen Kilogramm. Und schon für einen Scheffel Salz konnte man auf dem Markt einen Ochsen oder gar ein Pferd kaufen. 

Daher war es nur sinnvoll, die Saline mit einer zusätzlichen Mauer zu schützen. Die erfüllte mehrere Aufgaben: Einerseits schützte sie natürlich den Schatz der Stadt, andererseits sollte sie auch die Stadt vor dem Feuer der Salineöfen bewahren. Und sollten die "Sodeskumpanen", die Arbeiter der Saline, einmal wegen ihrer furchtbaren Arbeitsbedingungen aufmüpfig werden, so hatten sie noch eine zusätzliche Hürde, falls sie ihrem Ärger vor dem Rathaus Luft machen wollten.

Bild: Ansicht der Stadt Lüneburg, Daniel Frese (1610). Quelle: Stadtarchiv Lüneburg









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Eine Tour durchs historische Lüneburg

Mit ihren historischen Gewändern zieht Stadtführerin Verena Fiedler regelmäßig die Blicke auf sich. Für die LZ schlüpft sie in die Rolle der Brauersfrau, die vom historischen Lüneburg berichtet. 

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Lüneburg sieht rot. Und darauf ist es stolz: Wenn Besucher Anfang des 16. Jahrhunderts durch die Straßen schritten, staunten die nicht schlecht über die prächtigen Fassaden aus Backstein.

Auch heute freuen sich Touristen über die jahrhundertealten Giebel, die weiter Zeuge des Wohlstandes ihrer Erbauer sind. Zu Luthers Zeiten waren sie aber noch recht neu.

Wären die Gäste etwa 100 Jahre früher auf Sightseeing-Tour durch Lüneburg gewesen, hätten noch Fachwerkhäuser das Stadtbild beherrscht. Der Turm von St. Johannis, die monumentale Kirche am Ostende des Sands, blickte auf zahlreiche Holzbauten hinab.

Der kostbare Backstein war lange Zeit nur den reichsten Bürgern und den Kirchen vorbehalten. Doch dank des Salzes aus der Saline wuchs der Wohlstand Lüneburgs beständig. Und so konnten sich immer mehr eine Fassade aus dem hochwertigen Baustoff leisten, besonders an den Straßenfronten veränderte sich das Bild schnell.

Anders sah es in den Hinterhöfen aus: Hier hielten sich noch bis ins 19. Jahrhundert einfache Buden und hölzerne Verschläge. Aber die sah ja keiner. 

Foto: t&w
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Im Mittelalter waren die Verhältnisse klar: In der Bäckerstraße wohnten die Bäcker, in der Grapengießerstraße die Kesselbauer, und wer in der Schlägertwiete lebte, konnte vermutlich Kupfer schmieden.

Die Zünfte blieben unter sich, und gerne war die Lage der Straße mit der Art des Handwerks verknüpft: Die Wagenbauer etwa waren nah an den Stadttoren verortet, damit Handelsreisende von Außerhalb mit ihren Karren es nicht weit zur Reparatur hatten. Und die anrüchigeren Gewerbe blieben am Rand der Stadt, wie die Gerber mit ihrem urinlastigen Handwerk – oder auch die Badehäuser und Bordelle.

Die absolute Top-Adresse war der Marktplatz, gegenüber des Rathauses und in der Nähe der Landesherren.

Mit der Renaissance und Blütezeit wurden die Karten neu gemischt. Die Bürger wurden immer reicher, und die wohl früher wenig glamouröse Straße der Bäcker wurde für die Patrizier interessant: Zentrale Lage, Bindeglied zwischen dem Marktplatz und dem Sand und ausreichend Abstand zu den Stadtmauern und dem niederen Volk.

Kein Wunder also, dass sich die Handwerker nach und nach in die anderen Teile der Stadt zurückzogen, während die Sülfmeister die Häuser in der Bäckerstraße prächtig ausbauten.

Zu Luthers Zeiten bekamen sie jedoch Konkurrenz: Der Wohlstand der Bierbrauer wuchs, und auch sie forderten ihr Mitspracherecht im Rat und ihren Platz an der Spitze der Gesellschaft ein.

New Money in Lüneburg -  so mancher Sülfmeister dürfte darüber nicht erfreut gewesen sein. Und wenige Jahre nach der Reformation war es ein Brauer namens Harmen Kloppenborch, der sich 1548 ein Haus baute, das von der Lage und in seiner Pracht alles in Lüneburg übertraf: Gegenüber von St. Johannis, reicht verziert aus schwarzen Terra-Cotta-Ziegeln. Heute sitzt dort die Industrie-und Handelskammer.


Bild: Sozialtopographie Lüneburgs im 16. Jahrhundert, Quelle: Stadtarchäologie Lüneburg



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Der letzte Schrei kommt aus Italien: Die Renaissance hält Einzug in der Salzstadt. Ihren Namen erhält die Kulturepoche erst ein paar Jahrhunderte später, doch sind die Lüneburger Patrizier im 16. Jahrhundert offensichtlich sehr angetan von dem neuen Baustil. 

Früher, in der Zeit der Backsteingotik wollten die Erbauer auch mit ihren Fassaden zeigen, wie wichtig ihnen eine Verbindung zum Göttlichen und Himmlischen ist. Daher hatten die Giebel lange, senkrechte Blenden: Eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. 

Zu Luthers Zeiten änderte sich der Trend: Man besann sich auf das Diesseits. Tugenden, Humanismus, und Gerechtigkeit waren die Themen, mit denen sich der moderne Patrizier im 16. Jahrhundert auseinandersetzte.

Die langen, senkrechten Blenden wurden daher teilweise überbaut, die Giebel erhielten eine waagerechte Struktur. Wer es sich leisten konnte, versah seine Fassade mit aufwändigen Reliefs mit Abbildungen von antiken Sagenhelden und Heiligen. 

Und die reichen Lüneburger bauten sich größere Häuser. Jetzt mit Festsaal im Obergeschoss, prächtig verziert -- damit wurde jede Renaissance-Party zum Highlight.

Foto: t&w



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Digitales Wiederauferstehen

Die Zeitsprung-App

Wolfgang Graemer möchte seit Jahrhunderten aus dem Stadtbild verschwundene Gebäude digital wiederauferstehen lassen -- und arbeitet dafür an einer App. 

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St. Nicolai im Wandel der Zeit

Wolfgang Graemer hat die St. Nicolai-Kirche in ihren verschiedenen Baustufen animiert. 

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Die Reformation nimmt ihren Lauf

Bevor es losging

Welche Rolle spielte die Kirche in Lüneburg vor der Reformation? Eines steht fest: Lüneburg war eine erzkatholische Stadt. 

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Die Studenten sind schuld: Schon seit Anfang der 1520er Jahre sind die Schriften Luthers in der Ratsbücherei zu finden. Dorthin gebracht hatten sie wohl Studenten, die 1517 in Wittenberg studiert haben. 

Bei einigen Lüneburgern kommen die Ideen des Reformators schon bald gut an. Unter ihnen sind auch Geistliche -- der Lüneburger Rat ist empört: Die Evangelischen werden aus der Stadt verbannt. 

Doch die Lehre Luthers verbreitet sich in Lüneburg immer weiter. Drei Jahre später holen sich die Ratsherren Hilfe. Augustin von Getelen, ein junger, intelligenter Dominikanermönch  aus Lübeck, wird als Prediger in St. Johannis eingesetzt. Sein beredtes Auftreten kommt bei den Bürgern vorerst gut an. 

Und auch an St. Nicolai gibt es einen Personalwechsel: Dort soll Friedrich Henninges die fehlgeleiteten Lüneburger wieder auf den rechten Weg zurückbringen, findet der Rat. 

Doch schon zwei Jahre später wird sich Henninges den Evangelischen anschließen, und sein Kollege von Getelen muss dem Stadtrat erklären, dass gegen Luthers Lehre anhand der Bibel nicht zu widerlegen sind. 


Das hatten sich die Ratsherren wohl anders vorgestellt. 

Foto: t&w 
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Johannes Koller ist sauer. Die Lüneburger sind aufmüpfig geworden, seit ein gewisser Luther seine Ideen über eine reformierte Kirche veröffentlicht hat. Sie stellen die Arbeit der Kirche infrage, singen deutsche anstatt lateinischer Kirchenlieder – und zu allem Überfluss werden es immer mehr.

Koller belastet das, schließlich ist er im Jahr 1528 Probst an St. Johannis. Und damit er das bleibt, schreibt er einen Brief an den Lüneburger Rat.

Auf sieben Seiten in kleiner Handschrift macht der Geistliche seiner Wut Luft. „Sie haben mit ihrer giftigen Lehre aller Unzucht und Ungehorsam Fenster und Tür weit geöffnet“, schimpft er darin über die Lutheraner. Keine andere Ketzerei hätte jemals mehr „gegen Maria, die Mutter Gottes, gegen alle Heiligen, gegen alle Sakramente“ gehandelt und „so viel Böses“ eingefahren, wie die von Martin Luther. Trotzdem ist noch nicht alles verloren: Wenn mit „Fleiß, Ernst und Treue“ gegen die Ketzerei vorgegangen, könne die Stadt noch gerettet werden.


Inwiefern der Lüneburger Rat auf diesen Brief reagierte, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch: Auch die siebenseitige Warnung des Johannes Koller konnte die Reformation in Lüneburg nicht aufhalten. Schon zwei Jahre später wurde der Geistliche abgesetzt und durch den Reformatoren Stephan Kempe ersetzt.

Er verließ daraufhin die Salzstadt – auf eigenen Wunsch, wie es heißt, aber sicher nicht freiwillig.


Bild: Propst Johannes Koller, Quelle: Museum Lüneburg
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Johannes Koller sparte nicht an Polemik, als er seinen Brief an den Lüneburger Rat verfasste - natürlich auf Mittelniederdeutsch, wie es damals in Lüneburg gesprochen wurde. Die folgenden Auszüge sind ins Hochdeutsche übersetzt. Wie das im Original wohl klang, zeigt Dr. Uwe Plath. 

"Denn zumal das Gift und die Bosheit der lutheranischen Sekten und ihrer Lehrer bei einigen Einwohnern etwas tiefer und weiter, als es wohl gut ist, sich eingewurzelt hat und ausgebreitet hat, so will ich doch nicht bezweifeln, dass man das noch ändern könne."


"Wo mit Fleiß, Ernst und Treue, wie es nötig sei, dagegen vorgegangen wird, könne man bei der Sache noch ohne große Schwierigkeit noch etwas ändern. Zuerst ist dabei zu bedenken, dass zu keiner Zeit eine ketzerische Lehre oder Sekte gefunden sei, die unter dem geheuchelten Vorwand das heilige Evangelium zu vertreten gegen den allmächtigen Gott, gegen Maria, die Mutter Gottes, gegen alle Heiligen, gegen alle Sakramente der christlichen Kirchen, auch gegen derselben christlichen Kirche löblichen Stand und Autorität, gegen alle Obrigkeit, Gehorsam, Tugenden, Zucht und Ehrbarkeit, so viel Böses, Ungehöriges, Laster, Sünde und Schande eingefahren hat, als diese lutherische Ketzerei."

"Womit haben denn auch diese neuen Evangelisten ihr falsches Evangelium, gleich, wie es auch die Apostel und heiligen Kirchenväter getan haben, jemals bewiesen? Haben sie ein Wunder vollbracht? Ist aus ihrer Lehre auch etwas Gutes, das man beweisen könne, hervorgegangen? Wie viel hat sich denn gebessert? Es ist etwas anderes, womit sie das gemeine Volk an sich ziehen, sie haben mit ihrer giftigen Lehre alle Unzucht und Untugend, Ungehorsam Fenster und Tür weit geöffnet, nur um das Volk damit anzulocken."

Foto: Brief Johannes Kollers an den Rat der Stadt Lüneburg, Repro: row

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Gestatten? Herzog Ernst I. "der Bekenner", zwischen 1521 und 1546 Fürst von Lüneburg. Der blaublütige Uelzener war schon früh ein Anhänger Luthers: Vermutlich hat er bereits als junger Mann an der Universität den Ideen des Reformators lauschen dürfen - und wollte sie alsbald in seinem Reich auch durchsetzen. 

Doch stießen seine Anordnungen im selbstbewussten Lüneburger Rat  auf wenig Gegenliebe. Der wollte katholisch bleiben - auch wenn der evangelische Glaube in der Salzstadt immer populärer wurden. 

Darin sah Ernst I. seine Chance: In Bardowick und Lüne setzte er 1529 zwei evangelische Prediger ein, die die neue Kirchenordnung in seinem Sinne durchsetzen sollten.

Damit schien er Erfolg zu haben - doch vor allem wurden die Glaubensgegensätze in Lüneburg erheblich verschärft.

Bild: Herzog Ernst I., Quelle: Archiv 

 









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Schnell erfuhren die Lüneburger Bürger, dass sie vor ihren Stadttoren lutherische Gottesdienste geboten bekommen. Hunderte strömten in die Kirchen von Lüne und Bardowick und ließen sich nicht von den verschlossenen Stadttoren und angedrohten Strafen des Lüneburger Rates abhalten. 

Mit Gestank versuchten es im Juli 1529 die katholischen Nonnen im Kloster Lüne: Sie zündeten Filzlappen an und trugen sie in die Kirche, um die Gottesdienstteilnehmer zu vertreiben. Eine vergebliche Liebesmüh - die Gläubigen verlegten die Vesper einfach ins Freie. 

Immer mehr Lüneburger forderten von ihrem Rat, dass auch in der Stadt evangelische Gottesdienste abgehalten werden. Die Ratsherren blieben zögerlich, also gründeten evangelische Bürger einen Ausschuss, um die Interessen der Lutheraner zu vertreten. 

Es begann eine mehrmonatige Kampfzeit, deren Höhepunkt wohl eine Spottprozession Lüneburger Handwerksgesellen darstellte: Mit weißen Gewändern und Hirschknochen zogen sie am 1. März 1530 vom Roten Tor durch die Bäckerstraße, um sich über die katholische Religion lustig zu machen. Die Verantwortlichen werden vom Rat ausgewiesen - doch diese Entscheidung muss er bald wieder zurücknehmen, denn der Druck auf die Ratsherren wuchs immer weiter.

Video: row/plu





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Den Pfarrer von der Kanzel singen

In St. Nicolai zwingt die Gemeinde am 6. März den katholischen Geistlichen Friedrich Henninges, die Predigt vorzeitig zu beenden. Und wie? Mit Gesang!

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Wo fand er denn nun statt, der erste evangelische Gottesdienst in Lüneburg? Lange galt St. Nicolai als die Wiege der Reformation in dieser Stadt. Denn laut dem Chronisten Jakob Schomaker soll hier am 6. März 1530 -- am gleichen Tag, an dem die Gemeinde Luthergesänge gegen den Pfarrer angestimmt hat -- auch der erste evangelische Gottesdienst gefeiert worden sein. 

Daran zweifelt der Historiker Dr. Uwe Plath jedoch: "Der eigentliche Geburtstag der Reformation wird wohl der 26. Mai 1530 gewesen sein."

An diesem denkwürdigen Tag wurde der Lüneburger Reformator Stephan Kempe als Pastor in St. Johannis eingeführt. Daraufhin hielt er die Messe nach lutherischem Brauch. 

Dazu sollte man wissen: St. Johannis war zu dieser Zeit eine "Patronatskirche" und allen anderen Kirchen der Stadt übergeordnet, muss sich jedoch dem Beschluss des Lüneburger Rates fügen --  denn der hatte das Patronatsrecht. 

Laut Plath spricht Einiges dafür, dass am 6. März nicht der erste Gottesdienst in St. Nicolai abgehalten wurde. Denn es sei ohne die Zustimmung des Rates undenkbar gewesen, dass ein Geistlicher evangelische Gottesdienste in einer der Stadtkirchen halten durfte, vor allem, wenn in der Patronatskirche noch katholisch gepredigt wird.

Wenige Tage nachdem Stephan Kempe im Mai das Amt des Pastors erhielt, wurden auch in St. Nicolai und St. Lamberti die katholischen Gottesdienste abgeschafft. In St. Marien und St. Michaelis feierte man noch weiter nach dem alten Ritus, doch wurden diese Gottesdienste häufig von den Evangelischen gestört.  

1532 schließlich bekannte sich auch der Prior von St. Michaelis zur evangelischen Lehre. Den Abt des Klosters trifft daraufhin der Schlag, er stirbt kurz darauf. 

Foto: t&w






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Lange müssen die Lüneburger darum kämpfen, dass in der Stadt evangelische Gottesdienste gefeiert werden dürfen. Der Rat zögert lange, und wieder einmal werden die Bürger selbst aktiv: Sie wenden sich an Stephan Kempe, der bereits in Hamburg bei der Reformation half. Er soll auch in Lüneburg die neue Lehre durchsetzen.

Kempe war zu dieser Zeit etwa 30 Jahre alt und früherer Franziskanermönch. Im April 1530 kam er in Lüneburg an -- der Rat hatte in der Zwischenzeit doch sein Okay gegeben -- und machte sich an die Arbeit: In seiner ersten Predigt in St. Johannis erklärte er, dass der Sieg der Reformation durch die richtige Verkündigung des Evangeliums errungen werden soll. Außerdem arbeitete er eine Schrift aus, in der er die neue Ordnung der Gottesdienste beschrieb.

Stephan Kempe blieb nur drei Monate in Lüneburg, hat aber dort Einiges geschafft: Die meisten Kirchen waren bei seiner Abreise evangelisch, außerdem wird auf seine Initiative hin unter anderem die Armenfürsorge reformiert.

Bild: Stephan Kempe, Reformator Lüneburgs. Quelle: Archiv 

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Nur drei Monate blieb Stephan Kempe in der Salzstadt. Damit dessen Arbeit weiter Früchte trägt, holte Herzog Ernst I. Urbanus Rhegius in sein Fürstentum.

Mittlerweile waren auch die Lüneburger Ratsherren Anhänger der Reformation und unterstützten den Herzog in seinem Vorhaben. 

Rhegius besuchte Lüneburg Ostern 1531 und setzte die reformatorische Arbeit Kempes in dessen Sinne fort, sodass im Herbst des gleichen Jahres eine neue Schul- und Kirchenordnung von Rat und Bürgerschaft abgesegnet werden konnte. 

Doch eine wirkliche Liebe zu Lüneburg entwickelt sich nicht bei dem Mann vom Bodensee -- immer wieder kehrt er nach Celle zurück, wo er die Superintendentur bekleidete. 1533 wendet sich der Lüneburger Rat an Luther, um einen Nachfolger zu finden. Erst Jahre später findet sich ein Schüler des großen Reformators, der diesen Posten bekleiden möchte. 

Bild: Urbanus Rhegius, Quelle: Archiv 


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Frustrierte Franziskaner

Nach der Reformation waren längst nicht alle glücklich -- die Franziskanermönche zum Beispiel wurden im Sommer 1530 aus der Stadt gewiesen. Stadtführer Klaus Niclas schlüpft in die Rolle des Bruder Marianus, der die Geschehnisse verfolgt hat. 

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Dieses Multimedia-Präsentation ist ein Projekt der Landeszeitung für die Lüneburger Heide. 

Redaktion, Gestaltung, Text, Recherche:
Robin Williamson

Fachliche Unterstützung:
Dr. Uwe Plath, Prof. Dr. Edgar Ring, Heidi Staack

Videos: 
Robin Williamson, Wolfgang Graemer

Fotos: Andreas Tamme, Robin Williamson, weitere siehe Quellenangaben

Karten und Stadtansichten: Stadtarchiv Lüneburg

Vielen Dank an: Verena Fiedler, Wolfgang Graemer, Danny Kolbe, Stefan Metzger-Frey, Klaus Niclas, Dr. Uwe Plath, Prof. Dr. Edgar Ring, Heidi Staack, Radio ZuSa, dem Lüneburger Stadtarchiv, dem Lüneburger Museum sowie Julia Drewes, Elena Gulli, Patricia Luft, Anna Sprockhoff und Dennis Thomas. 
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