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Stalleinblicke

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Es ist des Deutschen liebstes Tier - zumindest auf dem Teller. Rund 36 Kilogramm Schwein isst jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr und greift damit deutlich häufiger zu Schnitzel, Schinken und Kotelett als zu Geflügel, Rind und Kalb. Wir kennen es also alle - das Ende des Schweins. Doch was ist mit dem Leben? Das verbringen die meisten Schweine in Ställen, hinter deren Mauern nur die wenigsten je geblickt haben. 

Ähnliches gilt für die Kühe in unserem Land. Ihre Milch begegnet uns fast täglich, ihr Leben in den Ställen aber nur selten oder nie.

Das Multimediaprojekt "Stalleinblicke"
schaut hinter die Kulissen des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums (LBZ) in Echem. Erleben Sie die Unterschiede zwischen konventioneller und ökologischer Schweinehaltung und lernen Sie einen Kuhstall von Innen kennen.

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Konzeption und Redaktion:
Anna Sprockhoff

Produktion und Umsetzung:Klaus Bohlmann

Fotografie: Andreas Tamme und Hans-Jürgen Wege
(tonwert21), Philipp Schulze, Anna Sprockhoff

Filmaufnahmen: Anna Sprockhoff

Videodrohne:
Hans-Jürgen Wege (skyimage21)







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Eine Woche vor der Geburt wird die Sau am 110. Trächtigkeitstag in den sogenannten Kastenstand gesperrt, in dieser Zeit soll sie sich an das Eingesperrtsein gewöhnen. In dem Gitter bringt sie ihre Ferkel zur Welt und bleibt weitere vier Wochen fixiert. Praktiker nennen den Käfig auch Ferkelschutzkorb, weil er verhindern soll, dass die Sau sich auf ihre Ferkel legt und sie erdrückt.

Tatsächlich liegen die Verluste mit Schutzkorb bei 13 bis 14 Prozent, ohne sind es mehr als 20 Prozent“, erklärt der Koordinator der Schweinehaltung in Echem, Jan Hempler. Die Haltung steht allerdings in der Kritik, ein Verbot wie in der Schweiz und Norwegen wird diskutiert. „Der Kastenstand ist ein Auslaufmodell, schon jetzt verabschieden sich immer mehr konventionelle Landwirte davon“, sagt Hempler. Aktuell dürften Sauen aber noch maximal fünf Wochen so gehalten werden.

Eine Sau bekommt im Schnitt 2,2 Mal im Jahr 15 Ferkel, maximal 16 kann sie mit je acht Zitzen auf jeder Seite säugen. „In freier Wildbahn würde die Sau ihren Ferkeln ein Nest bauen“, sagt Hempler. Im Stall wärmen Heizplatten und Rotlicht die Ferkel.

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Vier Wochen nach der Geburt werden Sau und Ferkel getrennt. Die Sauen ziehen direkt um in den Deckbereich, wo sie sich mit anderen Sauen in einer Bucht frei bewegen können. Dort setzt die sogenannte Rausche ein und die Sau wird am fünften Tag besamt – „zu 100 Prozent künstlich“, sagt Hempler. Dafür werden sie erneut in einer Bucht fixiert. Um den Erfolg der Besamung zu erhöhen, läuft ein Eber im Gang vor den Sauen hin und her. In Echem sind zwei Eber im Einsatz, sie leben nebeneinander in Einzelboxen. Selbst decken dürfen die Tiere nie, „das sorgt für Frust“, sagt Hempler, „deswegen wollen wir das in Zukunft gerne ändern.“

Bis zum 42. Trächtigkeitstag leben die Sauen im Deckbereich mit maximal elf anderen Sauen zusammen, können sich dabei in der Bucht frei bewegen. „Diese Zeit warten wir ab bis zur Umstellung in die richtige Gruppenhaltung, um ein Verferkeln zu verhindern“, sagt Hempler.

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Nach dem 42. Trächtigkeitstag ziehen die Sauen bis zum 110. Tag um in die Gruppenhaltung. Als Lehreinrichtung gibt es in den Ställen des LBZ verschiedene Formen: die Kleingruppe mit sechs bis sieben Tieren, die mittlere Gruppe mit bis zu 14 Tieren und die Großgruppe mit bis zu 40 Sauen. Die besten Erfahrungen hat Hempler mit der Großgruppe gemacht. „Hier leben die Sauen in einer großen Bucht zusammen, die durch blickdichte Wände strukturiert ist.“ Die Variante, in der er die Tiere „deutlich ruhiger und relaxter“ als in den kleineren Gruppen erlebt. „Diese Form der Haltung erfordert vom Landwirt allerdings eine sehr genaue Tierbeobachtung.“

Ihr Futter erhalten die Sauen in allen Gruppen automatisch an Fütterungsstationen. „Über einen Transponder erkennt die Station jede Sau und spuckt ihr mehrmals am Tag kleinere und individuell zugewiesene Futterrationen aus.“ Zusätzlich erhalten die Tiere seit kurzem auch Futterstroh. „Vor allem, um sie zu beschäftigen“, sagt Hempler.

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Direkt nach der Geburt wird den Ferkeln ein Drittel des Ringelschwanzes abgeschnitten. Ziel des Eingriffes ist es, dass sich die Tiere später nicht gegenseitig die Schwänze anfressen und damit eine lebensgefährliche Infektion des Rückenmarks auslösen.

Zu den Ursachen des Schwänzebeißens gab es bereits viele Forschungsprojekte, das Ergebnis: „Es gibt nicht die Ursache, sondern 100 bis 600 Faktoren, die da zusammenkommen.“ Zum Beispiel Stress, Futter- oder Wassermangel, Wetterumschwung oder auch ein zu lauter Ventilator.

Am dritten Lebenstag werden die männlichen Ferkel kastriert. „Ohne Betäubung, aber mit Schmerzmitteln“, erklärt Hempler. Künftig soll der Eingriff nur noch unter Betäubung stattfinden. Die Kastration soll verhindern, dass die Tiere den sogenannten Ebergeruch ausbilden und ihr Fleisch damit ungenießbar wird.

Nach vier Wochen müssen die Ferkel ihre Mutter verlassen und leben danach neun Wochen lang in Gruppen. Da sie schnell frieren, gibt es Wärmeplatten- und decken, außerdem Spielzeug wie Seile und Beißringe zur Beschäftigung.

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Im Alter von zwei Monaten wird das Ferkel offiziell zum Mastschwein und wechselt erneut den Stall. Auch für die Mast gibt es unterschiedliche Haltungssysteme: von Kleingruppen mit zehn bis 15 Tieren bis zu großen Gruppen mit bis zu 150 Schweinen in einem Abteil. „Wichtig ist dabei, dass es möglichst viele Zwischenwände gibt, die das Abteil strukturieren“, sagt Hempler, „das sorgt für weniger Stress.“ Außerdem bräuchten Schweine zum Ruhen Wände, an denen sie sich anlehnen können. Kleinere Strohraufen und Spielzeug sollen die Tiere beschäftigen.

Das Futter wird jedem Schwein automatisch zugewiesen. In der Großgruppe müssen die Schweine auf dem Weg zum Futter über die Waage laufen und werden bei Erreichen des Schlachtgewichts automatisch aussortiert. In den anderen Ställen werden die Schweine regelmäßig auf dem Gang gewogen und gekennzeichnet. Geschlachtet werden die Schweine mit einem Lebendgewicht von rund 120 Kilogramm und einem Alter von etwa einem halben Jahr.

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Die Schweineställe des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums Echem dienen neben der Ausbildung und Weiterbildung auch der Öffentlichkeitsarbeit. Es gibt Besuchergänge, die es Interessierten ermöglichen auch ohne direkten Zutritt Einblicke in den Stall zu erhalten. In die Ställe selbst geht es nur über eine Schleuse. Dort heißt es: Kleider aus, Duschen, neue Kleider an. Eine Hygiene-Maßnahme, damit keine Krankheitskeime rein- oder rausgeschleppt werden.

Folgende Tiere leben in den Ställen:

konventionelle Haltung:
252 Sauen, bis zu 1275 Ferkel und 1345 Mastschweine sowie zwei Eber

ökologische Haltung:
32 Sauen, bis zu 88 Ferkel und 285 Mastschweine sowie ein Eber

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In der ökologischen Tierhaltung ist das Fixieren der Sau in einem Kastenstand verboten. Der Bioland-zertifizierte Öko-Stall in Echem verfügt über Abferkelbuchten, die Jan Hempler selbst mitentwickelt hat. Die Ställe sind aufgeteilt in einen mit Stroh eingestreuten Außenbereich und einem überdachten Bereich im Stall. Der Innenraum ist noch einmal durch Wände strukturiert, sodass es drei Bereiche gibt. „Toilette, Fressen und Nestbereich“, sagt Hempler. Auch hier liegt zum Teil Stroh, „damit baut sich die Sau kurz vor der Geburt zumindest eine Art Nest.“

Für die Ferkel gibt es zusätzlich eine Art überdachte Höhle. „Dort herrschen höhere Temperaturen, was für die kleinen Ferkel sehr wichtig ist.“ Allein der Innenraum in der ökologische Haltung ist 8,5 Quadratmeter groß, im konventionellen Bereich stehen Sau und Ferkel 5,5 Quadratmeter zur Verfügung. Auch die Säugezeit im Ökobereich ist deutlich länger, sie liegt bei mindestens 40 statt 28 Tagen. Dafür sind die Ferkelverluste (unter anderem durch Erdrücken) mit 25 Prozent (statt 13/14 Prozent) höher.

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40 Tage nach der Geburt werden Sau und Ferkel getrennt. Die Sauen ziehen um in die Gruppenhaltung mit anderen Sauen. Dort bleiben sie rund 100 Tage, bis sie eine Woche vor der Geburt wieder zurückziehen in den Abferkelstall. Etwa 47 Tage nach der Geburt werden die Sauen auch in der ökologischen Haltung wieder besamt. Dafür stehen sie in ihren Futterbuchten, auch hier soll sie ein Eber stimulieren, der vor ihnen durch den Gang läuft. Der Eber deckt die Sauen auch in der Öko-Haltung nicht selbst. „Wir wollen ihm das in Zukunft aber zumindest ab und zu ermöglichen, um ihn nicht zu sehr zu frusrtrieren“, erklärt Hempler.

Den Sauen steht neben einem großen Auslauf im Stall ebenfalls ein Außenbereich zur Verfügung. Beide sind mit Stroh eingestreut. „Da Schweine es hassen, in ihrem eigenen Kot zu liegen und sie im Öko-Bereich mehr Platz haben, suchen sich die Tiere eine Ecke im Außenbereich als Toilette aus. Statt drei hat eine Sau hier sechs Quadratmeter Platz.

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Wenige Tage nach der Geburt werden die männlichen Ferkel auch in der ökologischen Haltung kastriert. „Das Problem ist hier das gleiche wie in der konventionellen Haltung“, erklärt Hempler, „unkastrierte Tiere bilden einen Ebergeruch aus, der das Fleisch für die meisten Menschen ungenießbar macht.“ Im Gegensatz zur konventionellen Haltung werden die Tiere für den Eingriff aber nicht nur mit Schmerzmittel behandelt, sondern werden betäubt.

Die Schwänze bleiben unversehrt – und bleiben es in 98 Prozent der Fälle auch. „Da die Tiere deutlich mehr Platz und Beschäftigung haben, gibt es auch deutlich weniger Probleme mit dem Schwänzebeißen“, erklärt Hempler. Mit 40 Tagen sind die Ferkel in der ökologischen Haltung zudem deutlich älter (konventionell 28 Tage), wenn sie ihre Mutter verlassen und in den Ferkelstall umziehen müssen. Dort steht ihnen ein überdachter und wärmerer Schlaf- sowie ein Innen- und Außenbereich mit Stroh zur Verfügung.

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Wie in der konventionellen Haltung wechseln die Ferkel auch im Öko-Bereich in einem Alter von zehn Wochen aus dem Ferkel- in den Maststall, werden nach weiteren 100 bis 120 Tagen mit einem Lebendgewicht von 120 Kilogramm und im Alter von einem halben Jahr geschlachtet. Das Leben eines ökologisch gehaltenen Schweins ist also nicht länger, die Haltungsbedingungen sind allerdings unterschiedlich.

Auch ein Mastschwein kann in der ökologischen Haltung in Echem zwischen mit Stroh eingestreutem Innen- und Außenbereich wechseln. „Drinnen schlafen und fressen die Tiere, draußen ist in der Regel ihr Aktivititätsbereich“, sagt Hempler. Statt einem Quadratmeter stehen einem Mastschwein in diesem Bereich 2,3 Quadratmeter Platz zur Verfügung. Gefüttert werden die Mast- wie alle Schweine nach Bioland-Richtlinien mit heimischen Futtermitteln. Auf Sojaimporte wird verzichtet, stattdessen Eiweißfutter wie Erbsen, Getreide oder Kartoffeleiweiß aus der Region eingesetzt.

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Das Schwein ist schlau, heißt es. Und Jan Hempler kann das nur bestätigen. Er arbeitet seit mehr als 30 Jahren mit Schweinen und sagt: „Schweine sind die besseren Menschen.“ Auch deshalb setzt sich der heutige Koordinator der Schweinehaltung im LBZ Echem seit Jahren dafür ein, die Haltungsbedingungen für die Tiere in der Landwirtschaft zu verbessern. „Und zwar im biologischen, aber mittlerweile vor allem auch im koventionellen Bereich.“
  
Die Natur der Schweine sei es, den ganzen Tag über mit dem Rüssel in der Erde nach Futter zu suchen, Sauen wollen für ihre Ferkel ein Nest bauen. Unverzichtbar ist für ein Schwein zudem Gesellschaft. „Die Tiere brauchen Sozialkontakte zu ihren Artgenossen“, sagt Hempler, „ansonsten sind sie todunglücklich.“

In Gruppen lebt heute ein Großteil der Schweine auch in konventioneller Haltung. „Trotzdem können die Tiere viele ihrer natürlichen Verhaltensweisen in den Ställen kaum ausleben“, sagt Hempler. Ein Problem, das man lange Jahre nicht als solches erkannt habe. Stroh zur Beschäftigung, Spielzeuge oder die Unterteilung der Buchten in Funktionsbereiche: „Das sind erste Errungenschaften der letzten Jahre, in denen nun auch im Schweinebereich ein Umdenken in Richtung Tierwohl stattgefunden hat“, sagt Hempler.

Auslöser für die Hinwendung zu mehr Tierwohl sei neben der gesellschaftlichen Debatte eine Neuausrichtung des Lebensmitteleinzelhandels, der zunehmend auch „Tierwohl-Fleisch“ nachfragt. Die Konsequenzen spürt auch das LBZ seit Monaten sehr deutlich: „Immer mehr Landwirte fragen an, um sich in Sachen Tierwohl weiterbilden oder beraten zu lassen.“

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Das Kupieren der Schwänze ist ein besonders stark umstrittener Eingriff. Gegner sprechen von „Verstümmelung“ und „Quälerei“, Bauern von „praktiziertem Tierschutz“. Die Politik diskutiert seit Jahren auf verschiedenen Ebenen über einen Ausstieg, Ringelschwanz-Prämien sollen Landwirte vom freiwilligen Verzicht überzeugen. Doch das Kupieren geht weiter.
    
Dabei ist das Abschneiden der Schwänze eigentlich ungesetzlich. Paragraf 6 des deutschen Tierschutzgesetzes verbietet das Amputieren von Körperteilen bei Wirbeltieren. Und die EU-Richtlinie 2008/120/EG konkretisiert diese Vorschrift für Schweine. Das Kupieren, so heißt es dort, dürfe nicht routinemäßig durchgeführt werden. Ausnahmen bedürfen einer tierärztlichen Genehmigung.

Doch in deutschen Ställen ist die Ausnahme längst zur Regel geworden. „In konventionellen Ställen werden fast allen Ferkel die Schwänze kupiert“, weiß Berater und Koordinator der Schweinehaltung in Echem, Jan Hempler. Der Grund: „Man will verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig in die Schwänze beißen und dabei zum Teil schwere Verletzung oder sogar tödliche Entzündungen des Rückenmarks verursachen.“ Bleibt die Frage: Was verursacht nun tatsächlich mehr Leid - Kannibalismus oder Kupieren?

Und noch etwas macht die ganze Sache mit dem Schwänzekupieren so kompliziert: Es gibt nicht den einen Grund, warum die Tiere beißen. Wissenschaftler sprechen von einem „multifaktoriellen Problem“, Schuld kann zum Beispiel die Belegdichte sein, die Fütterung, das Wasser oder auch nur eine dröhnende Lüftung.

Für Tierschützer sind vor allem die Haltungsbedingungen die Wurzel des Übels. Und ein Blick in den Echemer Bio-Stall könnte ihnen Recht geben. Denn dort, versichert Hempler, bleiben 98 Prozent der Schwänze auch ohne Kupieren unversehrt. „Trotzdem gibt es auch in Bio-Ställen Probleme damit“, sagt er. Bei Wildschweinen hingegen ist das Schwänzebeißen unbekannt.

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Die Kastration der männlichen Ferkel – auch darüber streiten Tierschützer und Landwirte seit Jahren. Dabei geht es allerdings weniger um den Eingriff an sich, als vielmehr um die Frage: mit oder ohne Betäubung?

Grund für die Kastration der männlichen Tiere ist der sogenannte Ebergeruch, den einige Schweine im Alter ab fünf Monate ausbilden. Wird das Fleisch unkastrierter Eber gebraten, entsteht ein Geruch, der es für manche Menschen ungenießbar macht. Die rechtzeitige Kastration verhindert das – und ist deshalb sowohl in der konventionellen als auch in der biologischen Haltung Alltag.

Die Kastration erfolgt am dritten Lebenstag. Beim Tierschutzlabel „Neuland“ werden die Ferkel dafür schon seit Jahren nicht nur mit Schmerzmitteln behandelt, sondern auch betäubt. Eigentlich sollte diese Praxis ab 1. Januar 2019 in der gesamten Schweinehaltung gesetzlich vorgeschrieben werden. Doch wie die Fraktion der CDU/CSU am Freitag, 2. November, mitteilte, gab es eine Verständigung auf einen Gesetzentwurf, mit dem die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot um zwei Jahre verlängert wird. 

Das geplante Verbot der betäubungslosen Kastration ab 2019 war ursprünglich mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

Aus der Landwirtschaft hatte es massive Proteste gegen das Verbot der betäubungslosen Kastration gegeben. Die Sorge der Bauern: Durch die zusätzlichen Kosten dieser Auflage können sie im europäischen Wettbewerb nicht mithalten und müssten ihren Betrieb aufgeben. Außerdem gibt es laut Bauernverband noch keine praktikablen Alternativverfahren.  




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Die Kälber kommen nach der Geburt  in Schutzhütten, die sogenannten Kälber-Iglus. Die Hütten mit Auslauf sind mit Stroh eingestreut und stehen unterm Dach vor dem festen Kälberstall. Die frische Luft soll verhindern, dass die Kälber mit Krankheitserregern in Kontakt kommen, außerdem ist das Klima gut für die Gesundheit.

Während der ersten zwei Wochen steht den Kälbern im Iglu den ganzen Tag über Milch im Tränkeeimer zur Verfügung. Dieses sogenannte  Ad-Libitum-Tränken wird längst nicht in allen Ställen umgesetzt, oft wird den Tieren nur zu bestimmten Zeiten Milch angeboten. Das dauerhafte Milchangebot soll die Situation bei der Mutter nachahmen, das LBZ betont die guten Erfahrungen: Die Kälber entwickelten sich schneller, seien fitter und nähmen schneller zu. 

Nach zwei Wochen ziehen die Kälber um in einen Gemeinschaftsstall mit anderen Kälbern. Dort tragen sie ebenfalls ein elektrisches Halsband und können sich an der elektrischen Futterstation ihre Milchrationen selbst abholen.

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Milchkühe trinken je nach Witterung täglich 50 bis 180 Liter und müssen jederzeit Zugang zu Wasser haben. Damit ranghohe Tiere die Zugänge nicht blockieren, muss um die Tränken ausreichend Freiraum von mindestens drei Metern vorhanden sein.

Aus Trogtränken können mehrere Tiere gleichzeitig trinken. Trotzdem sollte ein Stall so geplant sein, dass auf eine Trogtränke maximal 20 Kühe kommen.

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Kühe liegen zwischen 12 und 14 Stunden am Tag – allerdings nicht länger als zwei Stunden am Stück. Das Verdauungssystem der Kuh braucht ständig neues Futter, deswegen wandern die Tiere zwischen Liegebox und Futtertisch hin und her.

In den Boxen sollten die Tiere unterschiedliche Liegepositionen einnehmen können, außerdem muss für jede Kuh ein Liegeplatz vorhanden sein. Die Boxen sollten heute mindestens 1,25 Meter breit und 2,40 lang sein. Das LBZ Echem bietet den Tieren zu Demonstrationszwecken drei Varianten an: Tiefliegeboxen mit Stroh, mit Sand sowie Hochliegeboxen mit Gummimatten. Da der Stall noch nicht voll ist, können sich die Kühe eine Box aussuchen. Klarer Favorit: die Tiefliegeboxen.

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Kühe halten sich im Schnitt 2,5 bis 4 Stunden pro Tag auf den Laufgängen auf und legen dabei eine Wegstrecke von 500 bis 700 Metern zurück. Um die Verschmutzung gering zu halten, wird in den Ställen in der Regel ein kot- und urindurchlässiger Boden verlegt. Im LBZ stehen die Kühe auf Spaltenböden, wobei die Spalten maximal 3,5 Zentimeter breit sind.

Die Entmistung übernimmt in beiden Ställen ein Roboter, der Tag und Nacht Laufgänge und -hof abfährt und säubert. Das Ziel: Die Kühe sollen deutlich saubere und gesündere Klauen haben. Da auch die Liegeboxen sauberer bleiben, ist das ebenfalls ein Vorteil für die Gesunderhaltung der Euter.

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Der Zugang zu Grundfutter (Gras-, Maissilage, Heu) ist wichtig, damit eine Kuh gesund bleibt. Kraftfutter erhalten die Kühe über eine computergesteuerte Futterstation. Ein Roboter schiebt das Grundfutter 20 Mal am Tag frisch vor das Fressgitter. Das animiert die Kühe immer wieder neu zum Fressen, was gut für Verdauung und Gesundheit ist.

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Über elektronische Halsbänder wird die Aktivität der Kühe überwacht. Am Anfang ermittelt das System, wie viel sich welche Kuh im Schnitt bewegt und wie intensiv sie kaut, danach werden alle größeren Abweichungen gemeldet. Bewegt sich eine Kuh auffallend viel und kaut entsprechend weniger, ist das ein Signal dafür, dass sie brünstig ist – und besamt werden könnte. Bewegt sich eine Kuh sehr wenig, könnte sie krank sein und sollte genau angeschaut werden.

In dem Stall mit dem automatischen Melksystem gibt es zudem die Möglichkeit, dass eine auffällige Kuh nach dem Melken vom Roboter nicht zurück in den Stall, sondern in einen abgetrennten Bereich geschickt wird. So muss die Kuh nicht aufwendig gesucht und unter Stress separiert werden.

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Immer weniger Kühe kommen auf die Weide, deswegen bieten ihnen Ausläufe unter freiem Himmel – sogenannte Laufhöfe – zusätzlichen Raum zur Bewegung und Ausübung des Sozialverhaltens. Natürliche Klimareize, vor allem Sonneneinstrahlung,sollen sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken.

Der Laufhof sollte eine Mindestfläche von drei Quadratmeter pro Tier haben.

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Für kranke und hochtragende Kühen gibt es zwei extra Bereiche. Für die Geburt die Kühe im LBZ in einen großen mit Stroh eingestreuten Auslauf, kranke Kühe werden in einem mit Sand ausgestatteten Bereich separiert.

Sand hat zwei Vorteile: Keime haben kaum Chance zu überleben, außerdem bietet der Untergrund geschwächten Kühen optimalen Liegekomfort und sehr guten Halt beim Aufstehen.

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Zwei Melksysteme stehen Bauern heute zur Verfügung: der klassische Melkstand und der Melkroboter. Im Roboter-Stall laufen die Kühe selbst in den automatischen Melkstand und werden über elektronische Halsbänder vom System erkannt. Liegt die zu erwartende Milchmenge bei mindestens zehn Liter, schließt sich vor der Kuh ein Gitter, der Automat spuckt eine Portion Kraftfutter aus – der Melkvorgang beginnt.

Beim automatischen Melken werden die Zitzen mit Bürsten gereinigt, dann setzt der computergesteuerte Arm das Melkzeug an das Euter. Erkannt werden die Zitzen mithilfe von Lasertechnik, die Milchqualität wird vom System geprüft und notfalls in einen extra Tank umgeleitet. Nach dem Melken öffnet sich das Gitter, die Kuh geht zurück in den Stall. Das Geschirr wird mit Wasserdampf gereinigt – und ist bereit für die nächste Kuh.

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In Ställen ohne Melk-Roboter treiben die Mitarbeiter die Kühe morgens und abends in den Melkstand. Dort folgt ein erstes Anmelken, dann eine optische Kontrolle der Milch. Das Euter wird per Hand gereinigt und das Melkgeschirr vom Melker an das Euter gesetzt. Nach dem Melken wird das Geschirr wieder entfernt und die Kuh zurück in die Herde gelassen.

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Kühen wachsen Hörner. Und genau die können in der konventionellen Laufstallhaltung zum Problem werden. Denn dort können sich Tiere bei Rangordnungskämpfen nicht wie auf der großen Weide mühelos aus dem Weg gehen und verletzten sich schnell mit den spitzen Hörnern. Eine Gefahr können die Hörner außerdem für den Landwirt werden.

Um das zu verhindern, werden die Tiere als Kalb enthornt. Dabei werden die Hornanlagen mit einem Brenneisen verödet. Der Eingriff ist umstritten und nur bis zu einem Alter von sechs Wochen erlaubt. Auch Bio-Betriebe dürfen enthornen, nur der Bio-Verband Demeter verbietet diesen Eingriff.

„Bei uns im LBZ werden den Kälbern unter Schmerz- und Beruhigungsmitteln (Vorschrift) die Hornanlage verödet“, erklärt Herdenmanager Martin Hagemann. „Dabei brennen wir nicht mehr wie früher den ganzen Tunnel aus, sondern nur das Gewebe rund um die Hornanlage.“

Vor und nach der Enthornung setzt das LBZ homöopathische Mittel ein – „zur psychischen Integration dieses unangenehmen Erlebnisses, zur Schmerzmilderung sowie dem guten Abheilung der Wunde“, erklärt Hagemann  

Eine Alternative zur Enthornung könnte der Einsatz genetisch hornloser Rinder in der Milchviehhaltung sein. „Das heißt, es gibt Rinder, die von Natur aus keine Hörner ausbilden“, sagt Wohlmuth-Meinicke, „diese setzen wir nun als Elterntiere ein und beobachten derzeit die Entwicklung der Nachkommen.“

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Leben auf einer grünen Wiese – so stellen sich die meisten Verbraucher das ideale Leben einer Milchkuh vor. Doch die Realität ist vielerorts eine andere, bundesweit haben nur noch 42 Prozent aller Kühe Weidegang (Quelle: Grünlandzentrum Niedersachsen). Dabei gilt: In der Biohaltung ist der regelmäßige Auslauf auf der Wiese Pflicht. Anders in der konventionellen Haltung.

Im LBZ Echem stehen nur die tragenden Jungrinder auf der Weide. Danach sind sie offiziell Milchkuh und ziehen um in einen der beiden Ställe. Als Alternative zur Weide stehen den Kühen dort Laufhöfe unter freiem Himmel zur Verfügung. „Außerdem ist unser Platzangebot im Laufstall sehr groß“, betont die Koordinatorin der Lehrwerkstatt Rind, Susan Wohlmuth. „Das ist für das Tierwohl extrem wichtig, denn eine Überbelegung, wie sie in der Praxis leider durchaus vorkommt, hat fatale Folgen.“

Steht nicht jeder Kuh im Stall auch ein eigener Fressplatz zur Verfügung, „kommen rangniedere Tiere bei der Futteraufnahme oft zu kurz“, erklärt Wohlmuth. Gleiches gelte bei der Anzahl der Liegenboxen. Auch die Gänge sollten breit genug sein, damit die Tiere aneinander vorbei gehen können, ohne sich zu berühren. „Rangeleien wegen Rangordnungskämpfen bedeuten Stress, was sich negativ auf die Milchleistung und das Immunsystem auswirkt.“

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Lange zählte in der Zucht von Kühen vor allem eins: die Milchleistung. Aus dem Blick geraten ist dabei die Gesundheit der Kühe. Die Tiere gaben zwar immer mehr Milch, wurden aber auch anfälliger, waren häufiger krank, litten unter Klauen- und Gelenkserkrankung. Die Folge: Milchkühe sterben früh. Zu früh, finden viele Kritiker.

Theoretisch könnte ein Kuh problemlos 15, vielleicht auch 20 Jahre werden. In der Realität liegt das durchschnittliche Lebensalter von Holstein-Kühen bei 4,6 Jahren.

Ein Problem, auf inzwischen auch die Branche reagiert hat. So stellt die Zucht schon seit Jahren nicht mehr allein die Milchleistung in den Mittelpunkt, sondern hat neben verschiedenen Gesundheitsmerkmalen auch die „Langlebigkeit“ als Zuchtziel aufgenommen.

Entscheidend ist für die Tierärztin und Rinderexpertin Susan Wohlmuth aber nicht nur die Zucht. „Es geht auch um die richtige Haltung.“ Und die fängt beim Kalb an. Statt die Kälber in Abständen mit Milch zu füttern, „steht den Tieren bei uns im LBZ Echem in den ersten zwei Wochen unbegrenzt Milch zur Verfügung.“ Die Tiere entwickelten sich schneller, seien fitter und nähmen besser zu. Kurzum: „Sie sind gesünder und widerstandsfähiger.“

Wichtig sei zudem eine gute Tierbeobachtung. „Nötig ist dafür eine Kombination aus der Beobachtung durch den Landwirt mit seinen Sinnen und der digitalen Überwachung etwa bei der Brunsterkennung, die auch zur Krankheitserkennung dienen kann.“

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Kapitel 1 Das Projekt

Stalleinblicke

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Kapitel 2 Wie Schweine heute leben

Die Schweine-Insel

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Kapitel 3 Wie Kühe heute leben

Die Kuhställe

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Kapitel 4 Credits

Credits

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