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Aufwachsen als Flüchtlingskind

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Lüneburg. Sie begleiten ihre Eltern als Übersetzer zu Ärzten und Behörden, sie erklären ihnen offizielle Schreiben – sie sind da, wenn Mutter und Vater sie in der neuen Heimat Deutschland brauchen: Viele Flüchtlingskinder übernehmen in ihren Familien besondere Verantwortung. Weil sie als erstes Deutsch sprechen. Weil sie in Schule und Kindergarten die neue Welt als erstes begreifen. Oder weil es die Situation ganz einfach von ihnen erfordert. Doch was bedeutet das für diese Mädchen und Jungen? Herausforderung? Überforderung? Chance oder Last?

Die LZ-Redakteurinnen Katja Grundmann und Anna Sprockhoff suchen in diesem Multimeida-Dossier nach Antworten. Ein Projekt realisiert unter Mithilfe des Stipendienprogrammes "Kartographen – Stipendienprogramm für JournalistInnen".

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Mehr als 800 Flüchtlingskinder zwischen 0 und 17 Jahren leben derzeit bei uns im Landkreis Lüneburg. Die meisten von ihnen sind im Stadtgebiet sowie in den Gemeinden Bardowick und Scharnebeck untergebracht.

275 von ihnen kamen in den vergangenen drei Jahren als sogenannte „Unbegleitete Flüchtlinge“ nach Deutschland. Davon reisten 206 Kinder allein. Sie werden in einer Jugendhilfeeinrichtung oder Gastfamilie betreut und von einem Vormund im Asylverfahren unterstützt. 69 der Kinder reisten zwar ohne Eltern, jedoch mit anderen Familienangehörigen, mit denen sie hier bei uns gemeinsam untergebracht werden.

Etwa ein Drittel der bei uns lebenden Flüchtlingskinder ist unter sechs Jahre alt, zwei Drittel von ihnen befinden sich im schulfähigen Alter. Für diejenigen ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen werden an den Schulen verschiedene Förderprogramme angeboten. Im ersten Halbjahr 2016 führten die Integrierte Gesamtschule Embsen, die Hauptschule Jörg-Immendorf Bleckede, das Bernhard-Riemann-Gymnasium Scharnebeck, die Lüneburger Oberschule am Wasserturm, die Heiligengeistschule Lüneburg und die Oberschule am Kreideberg sowie die Berufsbildenden Schulen Lüneburg Unterricht in gesonderten Sprachförderklassen durch.

(Quelle: Hansestadt Lüneburg, Landkreis Lüneburg, Niedersächsiche Landesschulbehörde, Stand: 30.05. bzw. 27.06.2016)

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"Ich finde das Übersetzen total langweilig, aber wenn es sein muss, muss es sein."

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Bleckede. Sommer 2014, in einem Wohnblock an der Elbe sitzt ein zehnjähriges syrisches Mädchen auf dem Sofa und spricht über Flucht. Sie erzählt von Bomben, von umgekommenen Freunden der Familie, von Feuer und der Oma, die noch immer in dem syrischen Wüstendorf lebt und betet, den Krieg zu überleben. Das Mädchen hat schon oft davon berichtet, hat deutschen Besuchern erklärt, dass das Handyvideo, das ihre Mutter ihnen zeigt, eine Hinrichtung in Syrien darstellt. Seit sie in Deutschland wohnt, ist es fester Teil ihres Alltags: Sie übersetzt für ihre Eltern aus dem Arabischen so gut sie kann ins Deutsche. Steigen ihrer Mutter dabei die Tränen in die Augen, bleibt sie tapfer. Und erklärt: „Mama hat Angst um ihre Familie, deswegen weint sie.“

Als wir Marian im Frühjahr 2016 wiedertreffen, ist sie mit ihren Eltern, den beiden jüngeren Brüdern und der kleinen Schwester in einer Dreizimmer-Wohnung mitten in Bleckede umgezogen. Sie ist inzwischen 14 - und ihre Mutter sagt, Marians deutsch sei heute besser als ihr arabisch. Sie besucht die sechste Klasse der benachbarten Hauptschule, hat viele neue Freunde gefunden, plant mit ihrer Clique einen eigenen Film über Meerjungfrauen und freut sich schon seit Wochen auf ihre erste richtige Klassenfahrt.

In Syrien ist Marian nie zur Schule gegangen, in Deutschland kam sie als einziges Flüchtlingskind in die vierte Klasse der kleinen Barskamper Dorfschule, wiederholte die Klasse und wechselte nach zwei Jahren Grund- in die Hauptschule. „So hat Marian sicherlich nicht das erreicht, was sie aufgrund ihres Intellekts leisten könnte“, sagt Annette Ristau, ihre Klassenlehrerin aus der Grundschule. Trotzdem habe sie eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht – „sicherlich auch, weil sie für die Familie so viel geregelt hat“. Die Pädagogin ist überzeugt, „das Übersetzen, die große Verantwortung, das hat Marian selbstständiger gemacht, das hat ihr gezeigt: Ich kann was, ich kriege das hin!“

Fragt man Marian nach ihrer Rolle in der Familie, listet sie auf: „Ich helfe meinen Eltern und ich bin die Chefin im Haus, wenn meine Eltern nicht da sind.“ Für sie Selbstverständlichkeiten wie die Aussicht, bald ein Kopftuch zu tragen, und die Vorfreude auf die bevorstehende Klassenfahrt. „Zu Marians Leben gehört heute beides“, sagt Lerke Scholing, die ehrenamtliche Betreuerin der Familie, „die Verantwortung für ihre Familie und das Leben eines typischen Bleckeder Mädchens.“ Wenn es ihr gelingt, will Marian Medizin studieren. „Ich wünsche mir, einmal eine Ärztin zu werden“, sagt sie, „da kann ich Leuten helfen, so wie ich es bei Mama und Papa mache.“


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"Marian weiß genau, was ihre Rolle ist"

Lerke Scholing unterstützt als Flüchtlings-Betreuerin Familie Waka, seitdem sie in Bleckede angekommen ist. Die nennt die Diplom-Pädagogin "ihre beste deutsche Freundin".

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Hintergrund: Ria Salig - Jugendmigrationsdienst der AWO Lüneburg

Ria Salig unterstützt seit 18 Jahren als Sozialarbeiterin des Jugendmigrationsdienstes der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Lüneburg junge Migranten beim Ankommen in Deutschland.

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"Wir reden nicht darüber, wenn es meiner Mutter schlecht geht, aber ich merke, wann ich für sie einspringen muss."

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Sana Yousufzada:

"Ich wünsche mir, dass meine Mutter wieder gesund wird. Sie sitzt häufig da und weint. Und sie schlägt sich selbst. Ich habe meinen Vater mal gefragt: „Was ist hier los?“, aber mein Vater hat nichts gesagt. Nach etwa zwei Monaten habe ich es dann verstanden. Das ist ganz schwierig. Wenn sie ein bisschen sauer ist und weint, dann weiß ich jetzt Bescheid.


Ich wünsche mir außerdem, mein Abitur zu machen. Dann möchte ich vielleicht Ärztin werden oder in einer Bank arbeiten oder am Flughafen. Das Problem ist, dass ich hier nicht so gut lernen kann. Hier gibt es so viele Kinder und ständig kommt jemand rein oder geht von einem ins andere Zimmer. Ich, meine Schwester und mein Bruder schlafen hier, meine anderen beiden Brüder und meine Eltern in dem anderen Zimmer.

Ich muss immer übersetzen. Aber ich will nicht übersetzen, das ist ein bisschen schwierig. Manchmal sagt meine Mutter etwas und dann weiß ich nicht, was es auf Deutsch bedeutet. Dann muss ich das umschreiben, so wie es meine Mutter will. Ja, ich muss immer übersetzen, egal wo.

Sie sind ganz streng mit mir. (Das heißt, du musst direkt nach der Schule nach Hause kommen?) Ja genau. (Mustafa auch?) Ja, er ist noch klein. Wenn er in meinem Alter ist, darf er gehen, wohin er will. (Weil er ein Junge ist?) Genau. (Nervt dich das manchmal?) Ja, richtig. Ich weiß nicht, warum. Ich verstehe nicht, was schwierig ist, warum er es darf und ich nicht. Das nervt richtig. Das macht mich traurig und manchmal weine ich ganz doll. (Und hast du mal mit deinen Eltern gesprochen und ihnen gesagt, dass das hier in Deutschland ganz anders ist als in Afghanistan?) Ja, das habe ich. Und sie haben gesagt: „Wir sind Afghaner, wir müssen das so machen. Wir sind zwar in Deutschland, aber du darfst es trotzdem nicht."

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Hamburg. Es ist Winter in Hamburg und seit zwei Monaten wartet das zwölf Jahre alte Flüchtlingsmädchen Sana auf ihre Eltern. In Mazedonien ist die Familie auf der Flucht getrennt worden. Das Auto, in dem sie, ihr acht Jahre alter Bruder und die sechs Jahre alte Schwester saßen, fuhr in eine Richtung. Der Wagen mit Vater, Mutter und dem kleinsten Bruder in eine andere. Sana kümmert sich seitdem um ihre Geschwister, sie tröstet sie, wenn sie weinen, sie macht ihnen Mut, wenn sie verzweifelt sind, sie verspricht ihnen, dass alles gut wird – und sie lässt sich nicht anmerken, wie schwer ihr das fällt. „Bald“, sagt sie sich, „bald sind Mama und Papa wieder bei uns, dann wird wirklich alles gut.“ Und tatsächlich: Als ihre Eltern Hamburg erreichen, wird ihr die eine Last genommen. Doch die Verantwortung bleibt.

Die Flucht hat das System ihrer Familie auf den Kopf gestellt. Plötzlich ist ihr Vater abhängig von ihr, weil sie deutsch spricht. Und ihre Mutter braucht sie, weil die 35-Jährige die Flucht nicht verwinden kann. „Ich habe versucht, ihr zu helfen, aber das ist ganz schwierig“, sagt sie. „Wenn sie jetzt ein bisschen sauer ist und weint, dann weiß ich Bescheid.“Sana springt in diesen Momenten ein für ihre Mutter, ohne aufgefordert worden zu sein. Sie kocht, wäscht, passt auf die Geschwister und das Baby auf, das erst vor wenigen Monaten in Hamburg zur Welt gekommen ist. Zusätzlich ist sie mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Mostafa zuständig für den Außenkontakt der Familie, die beiden begleiten ihre Eltern zu Terminen, suchen nach Wohnungen, sind da, wenn sie als Übersetzer und Vermittler gebraucht werden, lotsen die Familie durch die unbekannte neue Welt. Mostafa genießt die Rolle. Sana hasst sie.

Die Familie lebt in Hamburg-Hamm in zwei Zimmern eines ehemaligen Hotels, sechs Stockwerke hoch mit Platz für 164 Flüchtlinge und Wohnungslose, voll belegt. Sana schläft in einem Bett mit ihren beiden jüngeren Geschwistern, es gibt für sie weder einen ruhigen Platz zum Lernen, noch einen Ort, an dem sie ganz allein sein kann. Braucht die Familie Unterstützung in Fällen, in denen auch Sana und ihr Bruder Mostafa nicht weiterwissen, gibt es in der Einrichtung Unterkunfts- und Sozialmanager. Ansprechbar wochentags zu festen Sprechzeiten. Oder nach Vereinbarung.

In Afghanistan hat die Familie in Kabul gelebt, Sanas Mutter war Lehrerin, ihr Vater Schneider. Wirtschaftlich ging es der Familie gut, „doch der Krieg hat unseren Kindern die Zukunft genommen, also sind wir geflohen“, sagt Aizm Yousufzada. Von Afghanistan seien sie in die Türkei geflogen, mithilfe von Schleppern ging es weiter per Boot, zu Fuß, mit dem Zug. Es dauerte Wochen. „Und wir hätten nicht gedacht, dass wir so viel Schwierigkeiten bekommen.

Bevor sie aufbrachen, hängte seine Frau Lida jedem der Kinder eine Kette um den Hals, im silbernen Anhänger steckte ein winziger Zettel mit der Telefonnummer ihres Bruders, der schon seit Jahren in Hamburg lebt. „Wenn wir uns verlieren“, sagte sie zu ihren Kindern, „dann fragt ihr einen Taxifahrer, ob ihr diese Nummer anrufen dürft.“ Als der Schlepper Sana und ihre beiden Geschwistern tatsächlich allein in Hamburg absetzt, ist es Mostafa, der sich ein Herz fasst und den Taxifahrer anspricht. Der Elfjährige erzählt davon voller Stolz. Sana sitzt daneben und schweigt.

Die 14-Jährige denkt viel nach über sich und ihren Bruder, darüber, warum er so viel mehr darf als sie. Sie hat auch ihre Eltern schon danach gefragt, ihnen erklärt, dass in Deutschland Mädchen das gleiche dürfen wie Jungs – und zu hören bekommen: „Wir sind Afghanen, wir müssen das so machen.“ Sana, die die ersten Wörter ihrer Muttersprache bereits vergessen hat und mit ihren Geschwistern nur noch deutsch spricht, versteht das nicht. „Mich macht das traurig“, sagt sie, „und manchmal weine ich ganz doll.“ Doch auch dafür ist nicht viel Platz. Nicht in den zwei Zimmern, in denen die Familie lebt. Und nicht in Sanas Alltag nach der Flucht.

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Sie sind während der Flucht von Ihren drei Kindern Sana, Mustafa und Risalat getrennt worden. Was genau ist passiert?
Aizm Yousufzada: Wir wurden in Mazedonien von den Schleppern auf Autos aufgeteilt, die Kinder sollten mit einem anderen Wagen fahren als meine Frau, das Baby und ich. Unser Auto musste dann wegen einer Kontrolle umkehren. Die Kinder aber, so sagten die Schlepper, seien durchgekommen. Wo genau sie sind, konnten sie uns aber auch nicht sagen. Einen Monat lang saßen wir in einem Bergdorf fest und wussten nicht, wie es ihnen geht.

Haben Sie darauf vertraut, dass Sana sich um ihre kleinen Geschwister kümmert?
Lida Yousif: Nein, sie war ja selbst gerade erst 12 Jahre alt. Und dann dieser Weg, diese Erlebnisse...
  
Und im Nachhinein, sind Sie stolz darauf, wie sie die Weiterreise für sich und ihre Geschwister geregelt hat?
Lida Yousif: Absolut! Was sie da geleistet hat, war unglaublich. Der Schlepper hat die Kinder in Hamburg abgesetzt und sie dort allein gelassen. Zum Glück hatten wir für alle Familienmitglieder Halsketten vorbereitet, die einen Zettel mit der Telefonnummer meines Bruders enthielten – für genau solch einen Fall. Sana hat genau das getan, was wir besprochen haben: Sie hat sich mit der Telefonnummer an einen Taxifahrer gewandt und meinen Bruder angerufen. Der Taxifahrer hat sie dann direkt zu ihm nach Hamburg-Wandsbek gebracht.

Wann haben Sie erfahren, dass die Kinder in Sicherheit sind?
Lida Yousif: Während wir noch unterwegs waren, gab es keine Möglichkeit zu telefonieren. Erst als wir es auch nach Deutschland geschafft hatten, konnte ich meinen Bruder anrufen und habe erfahren, dass die Kinder bei ihm sind und auch schon bei der Polizei gemeldet sind.

Machen Sie sich Sorgen, ob die Kinder das Erlebte gut verkraftet haben?
Aizm Yousufzada: Natürlich. Um so mehr schätzen wir, wie gut sie mit dem neuen Land, der anderen Kultur und der Sprache zurecht kommen. Sana ist eine große Unterstützung für uns und hilft viel beim Übersetzen. Wir sind sehr stolz auf sie.
Wenn ich die Entwicklung meiner Kinder mit Kindern zu Hause in Afghanistan vergleiche, dann glaube ich, geht es ihnen hier deutlich besser. Das war auch der Grund, weshalb wir Afghanistan verlassen haben: Unsere Kinder sollten eine Zukunft haben. Sie sind hier frei und haben keine Probleme, keinen Stress durch Krieg o.ä.. Sie haben die Möglichkeit, alles zu tun, was sie sich wünschen.

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Der Weg von der Einreise bis zur Schule

Für viele Flüchtlingskinder beginnt mit der Einschulung in Deutschland ein neuer Alltag, in dem sie wieder Kind sein dürfen. Doch der Weg dahin ist mitunter lang.

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Nach der Flucht ist es für viele Kinder und Jugendliche die erste feste Station im neuen Leben: die Schule. Wer noch kein deutsch spricht und einen Platz bekommt, besucht zunächst eine Sprachlernklasse, wo neben dem Fach „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) vor allem das Zurechtkommen in der deutschen Gesellschaft auf dem Lehrplan steht. Fähigkeiten, die viele Kinder nicht nur für ihr eigenes Leben nutzen, sondern für die Bewältigung des gesamten Familienalltags. Kathrin Gehrke koordiniert seit 2010 den DaZ-Unterricht an der Lüneburger Oberschule am Wasserturm, an der seit 1979 Flüchtlingskinder in Sprachlernklassen aufgenommen werden. Sie hat Dutzende Kinder auf dem Weg in ihr neues Leben in Deutschland begleitet - ein Gespräch über ihre Erfahrungen, Kinder mit ganz besonderem Ehrgeiz und fehlendes Personal.

Frau Gehrke, wie unterscheidet sich Ihre Arbeit mit den Schülern in den Sprachlern- und DaZ-Klassen vom klassischen Regelunterricht?
 Kathrin Gehrke: Die Klassen sind in der Regel deutlich kleiner. Und auch wenn der Schulabschluss das übergeordnete Ziel ist, sitzt uns erstmal niemand mit Klassenarbeiten im Nacken. Uns geht es erstmal darum, dass die Kinder lernen, den Alltag hier zu bewältigen. Dazu gehört natürlich, dass sie die Sprache lernen. Aber wir vermitteln auch ganz viel Kulturelles – gerade denen, die gerade erst hier angekommen sind. Oft ist auch die Motivation der Kinder in diesen Klassen eine andere. Die meisten haben große Lust, deutsch zu lernen, weil sie wissen, dass sie die Sprache brauchen, um hier klarzukommen. Entsprechend schnell machen sie Fortschritte.

Und wie empfinden Sie ganz persönlich die Unterschiede?
Gehrke: Als ich vor sechs Jahren angefangen habe, in den Sprachlernklassen zu unterrichten, war ich darauf gar nicht vorbereitet. Vieles habe ich erst mit den Jahren gelernt, indem ich Dinge in den Familien beobachtet habe, die mir vorher fremd waren. So habe ich gemerkt, wo ich eigentlich stehe, und konnte den Kindern dann erklären, warum manches hier anders läuft. Das macht wahnsinnig viel Spaß und erweitert den eigenen Horizont. Neulich traf ich zum Beispiel eine Familie und meinte: „Schade, dass es bei Ihrer Ankunft so regnet.“ Als Antwort kam dann: „Zum Glück, bei uns ist es immer so heiß.“ Wir gucken oft sehr durch unsere deutsche Brille auf Menschen und Situationen… doch die ist eben nicht das Maß aller Dinge. Inzwischen habe ich auch offiziell eine DaZ-Qualifikation, aber ich muss sagen: Das meiste haben mir meine Schüler beigebracht.

Was hat sich für Sie mit den zunehmenden Flüchtlingszahlen im Vergleich zu vorher verändert?

Gehrke: Der Druck auf die Schulen ist größer geworden, das muss jetzt alles schneller gehen. Als ich vor sechs Jahren angefangen habe, hatten wir bei uns an der Schule 15 Kinder in zwei Sprachlernklassen. Heute haben wir drei Klassen mit jeweils 16 Schülern. Viele davon sind Analphabeten. Gleichzeitig ist der Durchlauf höher geworden. Früher blieben die Schüler in der Regel ein Jahr lang in den Sprachlernklassen, heute kommen die Kinder und Jugendlichen bereits mit geringen Deutschkenntnissen in die Regelklassen – was dann da auch noch aufgefangen werden muss. Der Druck nimmt also für die Kinder, aber auch für die Kollegen zu. Im letzten Jahr hatten wir so etwa 60 Kinder im Durchlauf. Das ist eine riesige Herausforderung.

Wie gehen die Schulen damit um?

Gehrke: An manchen Schulen gibt es noch zusätzliche Förderkurse, die Kinder aus verschiedenen Klassenstufen zusätzlich besuchen können. Das kommt jedoch immer auf die Stundenversorgung der jeweiligen Schule an. Und um die ist es nicht gerade gut bestellt. Sie müssen sich das so vorstellen: In Lüneburg sind immer mehr Sprachlernklassen entstanden und alle werden bei der Landesschulbehörde aus dem gleichen Topf finanziert. Der allerdings ist nicht entsprechend größer geworden, das heißt, das Budget pro Schule wird kleiner und es können nicht mehr so viele Lehrerstunden finanziert werden. Wir bräuchten einfach mehr Geld und mehr Lehrer, um dieser Herausforderung wirklich gerecht werden zu können. Und: Auch die Gymnasien müssten da deutlich mehr Verantwortung übernehmen als bisher.

Inwiefern?

Gehrke: Früher hieß es immer: Wer Sprachlernschüler ist, kann kein Deutsch und muss zur Hauptschule. Dabei wird unter den Tisch gekehrt, dass viele dieser Kinder in ihren Heimatländern auch Gymnasien besucht haben, ganz hehre Ziele hatten und aus bildungsnahen Haushalten kamen. Deswegen müssen auch Gymnasien endlich ihre Türen öffnen und diesen Schülern einen besseren Zugang ermöglichen. Das gehört nun mal zum Job dazu. In Lüneburg haben das auch einige Gymnasien bereits erkannt, das Johanneum zum Beispiel, das da sehr offen ist. Ich persönlich glaube, dass eine stärkere Öffnung und damit ein viel intensiverer Kontakt mit Schülern mit Migrations- oder Fluchthintergrund auch den deutschen Gymnasiasten gut tut. Für unsere Schüler ist diese Situation schon lange Alltag, mit allen guten Seiten, aber auch mit den Konflikten, die entstehen können.

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"Ich wünschte, jemand anderes wäre verantwortlich, aber nur ich kann den Familiennachzug regeln."

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Bütlingen. Es wird Sonntag sein, wenn Ihab Kashof offiziell 18 Jahre alt wird. Für die meisten Jungs in seinem Alter ist es ein Grund, die Zukunft zu feiern. Für den Jungen aus Syrien ist es der Tag, den er seit seiner Flucht am meisten fürchtet. „Hol uns nach“, hatte sein Vater zu ihm gesagt, als Ihab und seine beiden älteren Brüder im Spätsommer 2015 in der syrischen Hafenstadt Latakia aufbrachen, um vor Krieg und Militärdienst zu fliehen. Auf ihm, dem einzigen Minderjährigen der drei geflohenen Geschwister, liegt seitdem die ganze Hoffnung. Er muss die Familie retten.

Ein Sonnentag Mitte September, Ihab, ein schmaler, fast zarter 17-Jähriger, sitzt am Rande des 840-Einwohner-Örtchens Bütlingen in einem Container auf dem Metallbett. Seit dem 26. Januar ist das Camp zwischen Acker und Dorfstraße sein Zuhause, teilt er sich mit seinen Brüdern zehn Quadratmeter. Seine Eltern leben mit dem sechs Jahre alten Bruder nach wie vor in Syrien – und viel Zeit, um sie nachzuholen, bleibt Ihab nicht. Ab 18 ist der Familiennachzug in Deutschland eine Gnade. Ob man sie ihm gewährt, er weiß es nicht. Bisher konnte er nicht mal den Antrag stellen, weil noch immer nicht über sein eigenes Asylverfahren entschieden ist.

Die deutsche Politik hat den Familiennachzug seit Ihabs Flucht deutlich erschwert, im Februar 2016 das Asylpaket II beschlossen. Danach dürfen Ehegatten und minderjährige Kinder, die nur den sogenannten subsidiären Schutz genießen, für zwei Jahre keine Familienangehörigen nachholen. Ihab weiß noch nicht, welchen Status er bekommt. Doch er fürchtet, dass die Behörden sein Asylverfahren mit der gleichen Entscheidung abschließen werden wie das seines Bruders: subsidiärer Schutz, kein Familiennachzug bis März 2018.

Ihab ist ein junger Flüchtling wie ihn sich alle wünschen: immer höflich und freundlich, stets zuverlässig, ordentlich und hilfsbereit, engagiert, gut erzogen, klug, gebildet – und wenn alles gut läuft, eine echte Bereicherung für unser Land. Einzig: Der Junge, der mit seiner zurückhaltenden, feinen Art alle Herzen erobert, will eigentlich gar nicht hier sein. Ihab will nach Hause zu Mutter, Vater, dem kleinen Bruder, Freunden und der geliebten Stadt am Meer. „Manchmal“, sagt er, „haben wir überlegt, zurück zu gehen, weil es so schwer ist.“ Doch zu Hause wartet Krieg. Und eine Familie, die er retten soll. Ihab, der Hoffnungsträger.

Ein paar Tage später, kurz vor acht am Abend, Ihab sitzt auf dem Fußballfeld auf einem Stuhl und schaut seinen Brüdern beim Training zu. Der 17-Jährige hat sich beim letzten Spiel Kreuzband und Meniskus gerissen, wurde operiert und erst vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Er lässt seine Brüder nicht aus den Augen, schimpft auf Arabisch, wenn sie ihm nicht schnell genug sind oder den Ball nicht geschickt genug abspielen. Obwohl er nicht mitspielen kann, wirkt Ihab ausgelassen. Fußball, sagt er, sei seine große Leidenschaft. „Auf dem Spielfeld ist alles gut, da muss ich nicht an Zuhause denken.“ Da ist Ihab wieder das, was er war, bevor er Syrien verließ: ein ganz normaler 17 Jahre alter Junge.

Doch Tatsache ist: Ihab ist kein ganz normaler Junge mehr. Auf ihm lastet der Druck, die Familie nachzuholen. Und die Angst zu scheitern. Er lässt sich nichts davon anmerken, wenn er mit Mutter und Vater telefoniert. Er verschweigt ihnen, dass er im Krankenhaus lag – und er traut sich nicht zu sagen, dass ihm die Zeit davonläuft. Was er tun wird, wenn der Morgen seines 18. Geburtstags anbricht und er den Nachzug der Familie noch immer nicht beantragen konnte? „Ich weiß es nicht“, sagt er, „was soll ich dann tun?“


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"Die Brüder geben nicht auf. Nicht auf dem Fußballplatz, und so wird es vermutlich auch privat sein."

Wenn ihn nicht gerade ein Kreuzbandriß außer gefecht setzt, spielt Ihab am liebsten Fußball. Seit seiner Ankunft in Bütlingen trainiert er mit seinen Brüdern in der 4. Herren-Mannschaft der Eintracht Elbmarsch unter den Trainern André Menk und Sascha Tode.

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Konflikte in der Flüchtlingsunterkunft, schwierige Arztgespräche, Ablehnung des Asylantrags: Im Idealfall sollte Flüchtlingsfamilien in derartigen Situationen ein Übersetzer zur Seite stehen. Doch nur in wenigen Behörden und Institutionen kann das zu jeder Zeit organisatorisch und finanziell gewährleistet werden. Also springen die Kinder als Dolmetscher ein. Mitarbeiter einzelner Einrichtungen berichten, wie sie vor allem bei schwierigen Gesprächsthemen damit umgehen.

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Lüneburg. In Schulen, bei Ärzten und Behörden ist es seit langem Realität: Mädchen und Jungen, die für Eltern, Verwandte oder Bekannte übersetzen. „Dabei haben wir schon vor Jahren festgestellt, dass es viele Themen gibt, die diese Kinder überfordern“, sagt Sozialpädagogin Tanja Geilert, bei der Awo seit 16 Jahren zuständig für die Migrationsberatung. Um das zu verhindern, begannen Landsleute zu übersetzen und zu vermitteln, „2006 haben wir zum ersten Mal in einem Modellprojekt mit Sprach- und Kulturmittlern gearbeitet“, sagt Geilert. Inzwischen gibt es Qualifizierungen, die Awo betreibt das Projekt in Kooperation mit dem Diakonie-Verband – und derKreis fördert das Projekt mit einem jährlichen Zuschuss von aktuell 50 000 Euro.

Sprach- und Kulturmittler begleiten Menschen kostenlos zum Arzt, zum Anwalt oder Elterngespräch in die Schule oder Kita. „Sie dolmetschen – und sie vermitteln zwischen den Kulturen“, sagt Geilert. Im Gegenzug erhaltensie eine Aufwandsentschädigung oder sind geringfügig beschäftigt. Im Einsatz sind aktuell rund 30 Frauen und Männer. Diese Idee weiterentwickeln will nun die Leiterin des Bildungs- und Integrationsbüros des Landkreises Lüneburg und der „Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe“, Karin Kuntze. Mit Kolleginnen aus anderen Kreisen arbeitet sie daran, ein landesweites Modellprojekt auf den Weg zu bringen. Ihr Ziel: „Das, was zu großen Teilen ehrenamtlich geleistet wird, muss professionalisiert werden“.

Konkret soll es darum gehen, Zugewanderten mit einer Berufsausbildung zum Beispiel im Bildungs-, Sozial- oder Rechtswesen die Chance zu geben, sich zu qualifizieren und zertifizieren zu lassen. „Dann könnte zum Beispiel jemand, der in seinem Land als Lehrer gearbeitet hat, auch gezielt in diesem Sektor als Übersetzer und Vermittler tätig sein.“ Und zwar nicht mehr ehrenamtlich, sondern gegen Bezahlung. Kuntze ist überzeugt: Die Chancen, für derart qualifizierte Menschen Jobs zu finden, seien gut. Und auch in Sachen Modellprojekt ist sie optimistisch. „Aufpolitischer Ebene ist mittlerweile in Ansätzen erkannt worden, wie wichtig Übersetzer- und Dolmetscherdienste in der Integration sind“, sagt sie.

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"In Afghanistan war ich ein normales Mädchen. Wenn heute jemand über mich redet, hat er meistens sehr viel zu sagen."

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Lüneburg. Es ist Mai 2014, als Suman mit ihrer Familie zu einem Ausflug aufbricht. Die 14-Jährige ist fröhlich und furchtbar aufgeregt, sie weiß nicht, wo genau die Reise hingeht und was sie dort erwartet. Verraten hat ihr Vater nur, dass sie aus Kabul ins Nachbarland Pakistan fahren. Eigentlich ist es Suman aber auch egal, sie freut sich, dass sie überhaupt rauskommt. Als hinduistische Minderheit ist es für die Familie in Afghanistan so gefährlich, dass Suman ihr bisheriges Leben fast ausschließlich im Haus verbracht hat. Sie kennt nicht einmal den Namen der Straße, in der sie wohnt.

Zweieinhalb Jahre später, Suman steht in der Küche der Oberschule am Wasserturm und nimmt ihrem Klassenkameraden den Teigklumpen aus der Hand. „So nicht“, sagt sie, formt den Teig zwischen ihren Handflächen zu einer perfekten Kugel und hält sie ihm vor die Nase. „So!“ Es genügen wenige Minuten mit der jungen Frau in einem Raum, um zu erkennen: Sie weiß, was sie will, was sie kann und wie es ihr gelingt, es durchzusetzen.

Suman hat das Leben ihrer Familie in Deutschland in die Hand genommen. Wenn es hier etwas zu regeln gibt, regelt sie das. Die 17-Jährige übernimmt die Behördengänge, kümmert sich um den Schriftverkehr und die Wohnungssuche, begleitet Vater und Mutter zum Arzttermin. Oft fehlt sie dann in der Schule, doch Suman kompensiert das durch Intelligenz und Fleiß.Die junge Frau kümmert sich aber nicht nur um Eltern und Geschwister, Suman packt auch ihre eigene Zukunft an.

Direkt nach der Schule geht sie zur Arbeit, hilft bis abends um neun und am Wochenende in einer Lüneburger Eisdiele aus. Das Geld spart Suman für den Führerschein – und für die Hochzeit mit dem Hindu-Jungen aus Hamburg, mit dem sie sich vor zwei Monaten verlobt hat. „Bei uns ist es üblich, dass für die Hochzeit sehr viel Gold und Schmuck gekauft wird“, erzählt sie und verrät: „Allein die Verlobung hat 30 000 Euro gekostet.“ Ihre Eltern waren entsetzt, als Suman ihnen eröffnete, dass sie sich verloben will. Sie hätten sich gewünscht, dass sie noch wartet, bis sie ein wenig älter ist. Und die Familie Geld sparen konnte. Doch Suman setzte sich durch – und trägt die Konsequenzen.

Wenn Suman ihren Realschulabschluss geschafft hat, will sie eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau beginnen. Sie mag die Arbeit am Computer, sagt sie. Außerdem sei das der Traum ihres Vaters, der sich für ihn nie erfüllt hat. Ob es auch Sumans Traum ist? Sie lächelt und sagt: „Alles, was ich mir wünsche, ist, dass es meiner Familie gut geht.“



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"Als westliche Frau würde ich sagen: Das ist eine Riesenchance für Suman."

Astrid Münder unterrichtet an der Oberschule am Wasserturm Lüneburg und hat Suman seit ihrer Ankunft in Deutschland auf ihrem Weg begleitet.

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Wenn Kinder Verantwortung lernen, ist das gut. Doch wann wird aus der Aufgabe eine Last? Aus der Herausforderung eine Überforderung? Darüber sprechen im Doppelinterview der Chefarzt der Lüneburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Alexander Naumann, und seine Kollegin, die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie Dr. Ursula Schild.

Foto: Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Lüneburg

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Tod, Gewalt, Folter, Vergewaltigung – viele Flüchtlingskinder haben in ihrem Heimatland oder auf der Flucht traumatisierende Erfahrungen gemacht. Das stellt Kinder und Eltern, aber auch Unterstützer, Lehrer und Ärzte in Deutschland vor Herausforderungen. Hilfe bietet ihnen seit kurzem die Bundespsychotherapeutenkammer mit speziellen Ratgebern. Im Interview erklärt Kammerpräsident Dr. Dietrich Munz die Hintergründe der Informationsoffensive.

Herr Dr. Munz, die Bundespsychotherapeutenkammer hat im Juni einen Ratgeber für Flüchtlingseltern herausgegeben, Untertitel: „Wie helfe ich meinem traumatisierten Kind“. Warum?
Dr. Dietrich Munz: In Aufnahmeeinrichtungen erleben wir sehr oft, dass Eltern oder Helfer nicht wissen, wie sie mit verhaltensauffälligen Kindern umgehen sollen und können. Mit dem Ratgeber wollen wir darüber informieren, dass auch Kinder traumatisiert sein können, wie sich diese Traumatisierung auswirkt und wie Eltern die Anzeichen dafür erkennen können. Das Schwierige ist, dass Kinder und Jugendliche sehr unterschiedlich auf schreckliche Erlebnisse reagieren. Ein Teil zieht sich emotional und sozial zurück, ist häufig niedergeschlagen und traurig. Es gibt aber auch Kinder, die sehr unruhig werden, die viel aktiver sind als vorher, bei manchen geht das bis zu Hyperaktivität. Viele Betroffene Kinder und Jugendliche zeigen auch Ängstlichkeit und Schreckhaftigkeit. Bei Eltern löst diese Veränderung des Verhaltens manchmal auch Unverständnis aus, weil sie sie nicht verstehen. Wenn zum Beispiel Kinder mit zehn oder zwölf Jahren plötzlich wieder einnässen kann das für Eltern sehr irritierend sein. Da fehlt es Angehörigen, aber auch manchmal den Helfern in den Aufnahmeeinrichtungen an Verständnis dafür, sie denken nicht daran, dass die Kinder möglicherweise schwere Traumata verarbeiten müssen.

Was steht konkret in ihrem Ratgeber?
 Dr. Munz: Wir haben zum einen eben diese Veränderungen bei Kindern beschrieben, ganz konkret dargestellt, wie sich eine Traumatisierung bei Kindern äußern kann. Und: Wir werben bei den Eltern um Verständnis, geben konkrete Tipps, wie Eltern gegenüber ihrem Kind reagieren sollten. So ist es zum Beispiel wichtig, den Kindern klarzumachen, dass die traumatisierende schreckliche Unsicherheit nun vorbei ist und sie in Sicherheit sind. Und was uns besonders wichtig ist: Die Eltern sollten nicht versuchen, ihre Kinder zu drängen oder sogar zu zwingen, mit der Auffälligkeit aufzuhören. Das bringt die Kinder nur noch mehr unter psychischen Druck.

Was schätzen Sie: Wie viele Flüchtlingskinder sind traumatisiert?
Dr. Munz: Wir müssen davon ausgehen, dass 20 bis 30 Prozent der Kinder unter einer psychischen Erkrankung leiden. Das bedeutet nicht, dass all diese Kinder behandlungsbedürftig sind. In den Studien, auf die sich unsere Zahlen stützen, wurden Kinder direkt nach dem ihrer Ankunft in Deutschland untersucht. Wie sie sich danach weiterentwickeln, ist offen. Aber wir gehen davon aus, dass von den betroffenen Kindern etwa zehn Prozent – vielleicht sind es auch mehr – professionelle Hilfe brauchen.

Wie genau kann die Psychotherapie diesen Kindern und Jugendlichen helfen?
Dr. Munz: Alle Kinder brauchen zunächst dringend das Gefühl, aufgehoben zu sein. Jüngere führt man dann über das Spiel dahin, dass sie das Erlebte darstellen können, ältere können den Schrecken und das Bedrohliche auch schon in Worte fassen. Vielen Kindern fällt sehr schwer, weil sie Angst haben vor den damit verbundenen Gefühlen. Und männliche Jugendliche schämen sich oft, dass ihnen das passiert ist, dass sie in der Situation so hilflos und ängstlich waren. Ganz generell kann man allerdings sagen, dass nicht jeder, der ein Trauma erlebt hat, auch eine Erkrankung entwickelt. Wir wissen, dass ein großer Teil der Betroffenen das Trauma auch durch eigene innere Kräfte bewältigen kann. Dabei gibt es Faktoren, die helfen können. Einer ist Sicherheit, das Gefühl, aufgehoben zu sein und keine beängstigenden oder bedrohlichen Situationen mehr erleben zu müssen. Ein anderer ist die Akzeptanz von Familie, Freunden und Verwandten, sie müssen dem Kind das Gefühl geben, dass es in Ordnung und gut ist, sich mit dem Erlebten auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen.

Wer ist außerdem gefordert, um diesen Kindern zu helfen?
Dr. Munz: Zunächst sind natürlich die Hausärzte gefordert. Sie sollten sich fragen: Könnte in diesem oder jenem Fall auch eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine andere psychische Erkrankung als Folge von Traumata der Hintergrund der Beschwerden sein? Wenn sie involviert ist, ist natürlich auch die Jugendhilfe gefordert. Und sicherlich sind auch die Lehrer und Helfer gefragt. Doch nicht nur Menschen im direkten Umfeld der Kinder sind in der Verantwortung, sondern auch der deutsche Staat. Wenn sich diese Kinder in unserer Gesellschaft integrieren sollen, müssen wir ihnen auch die Möglichkeit dazu geben. Und das bedeutet: Wir müssen ihnen Sicherheit geben. Wer nicht weiß, ob er heute, morgen, in einem oder in zwei Jahren abgeschoben wird, kann sich nicht integrieren. Oder nur sehr schwer. Hinzu kommt, dass Flüchtlingskinder in den ersten 15 Monaten nach ihrer Ankunft nur sehr schwierig an psychotherapeutische Hilfe kommen.
 
Warum?
Dr. Munz: Gesetzlich ist geregelt, dass anfangs nur akute Schmerzzustände und akute Erkrankungen behandelt werden dürfen. Für alle anderen Behandlungen muss ein Arzt oder Psychotherapeut erst einen Antrag stellen – auch für psychotherapeutische Behandlungen. Wenn diese genehmigt wird, dann oft erst nach sehr langen Verfahren. Und das, obwohl die EU-Richtlinie klar zum Ausdruck bringt, dass psychisch erkrankte Menschen besonders schutzbedürftig sind. In manchen Bundesländern werden die zuständigen Behörden mittlerweile darauf hingewiesen, dass diese Schutzbedürftigkeit auch bedeutet, dass psychisch kranke Flüchtlinge dringend behandelt werden müssen.  

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"Hier in Deutschland bin ich der Starke in der Familie."

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Echem. Faisal war 13, als er beschloss für seine Familie das Land zu verlassen. Er fragte nicht nach Erlaubnis, sondern stellte sich eines Morgens vor seine Mutter und verkündete:„Ich gehe in den Iran und arbeite.“ Sie bat ihn zu bleiben, sie weinte, sie rief seinen Vater zur Hilfe, sie schimpfte, dass er viel zu jung wäre für eine solche Entscheidung. Faisal ging dennoch und schickte bald darauf das erste Geld nach Hause.

Drei Jahre später, Schönwetterwolken schweben über der Elbmarsch und durch die Balkontüren einer Echemer Dachgeschosswohnung scheint die Sonne. Faisal, tiefbraune Augen, schmal, der erste Bartflaum über der Oberlippe, sitzt vor einem Deutsch-Lehrbuch auf dem Teppichboden. Neben ihm kniet seine Mutter und spricht die deutschen Worte nach, die er ihr vorliest. Vor acht Monaten hat sich die Familie in Deutschland wiedergefunden, seit Mai leben sie zusammen in der Drei-Zimmer-Wohnung in Echem – Mutter, Vater, sechs Söhne, eine Tochter. Für Faisal ist damit sein größter Wunsch wahr geworden. „Ich kann mit meiner Familie sicher leben, mit meinen Brüdern zum Sport gehen, wir können alle zusammen lernen.“ Er lächelt.

Als Faisal Pakistan verließ, konnte er kaum lesen und schreiben. Auch seine Eltern sind Analphabeten. Ihre Welt funktionierte ohne Facebook und Google – und diese Welt brach zusammen, als sie während Faisals Flucht den Kontakt zueinander verloren. „Wir wussten nicht, wo Faisal ist, ob es ihm gut, wo er angekommen ist“, erinnert sich seine Mutter. Erst als auch die Familie die Flucht nach Deutschland glückte, ihr Sohn Majid (13) sich ein Facebook-Profil anlegte und Faisals Betreuerin aus Regensburg zufällig darauf stieß, fand die Familie nach drei Jahren Trennung wieder zusammen. Der verlorene Sohn kehrte zurück. Und tat, was er in den letzten Jahren mehr denn je gelernt hatte: Er kümmerte sich.

Faisal, der nach neun Monaten in München schon relativ gut deutsch sprach, begleitet seine Eltern von Anfang an zu allen Terminen. Er erklärt ihnen den deutschen Straßenverkehr, die Regeln im Supermarkt und das Schulprinzip. Er geht mit den Geschwistern zum Sport, ins Freibad und zum Arzt. „Faisal ist der Dolmetscher der Familie“, erzählt Sherine König, die die Familie seit ihrer Ankunft betreut, „er muss fast alles organisieren.“ Faisal sagt, er tut das gerne. Und Sherine König glaubt es ihm. „Er fühlt sich verantwortlich“, sagt sie, „und er sieht sich in dieser Rolle, die nicht wirkt, als hätte man sie ihm aufgezwungen.“ Auch Faisals Freundin Kira, die ihn kennengelernt hat, als er 2015 allein nach Deutschland kam, glaubt: „Faisal muss das nicht tun, er will das, dieses Verantwortungsgefühl ist einfach in seinem Herzen drin.“ Und Faisal? Der versteht gar nicht, worum es geht. Er würde für seine Familie alles tun. Er hat mit 13 für sie sein Land verlassen.

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"Er weiß, dass er stark ist"

Faisal und Kira lernten sich kennen, als Faisal noch im Heim für unbegleitete Flüchtlinge in Bayern untergebracht war. Inzwischen sind die beiden ein Paar.

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"Faisal gibt sein Wissen an uns weiter"

Mortza und Sohade Ghorbani ließen ihren 13-jährigen Sohn ziehen, als er im Ausland lernen und Geld verdienen wollte. Mit der ganzen Familie in Deutschland wiedervereint und sicher leben zu können, ist ihr größtes Glück.

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Sie sind in Montenegro und im Libanon geboren – und in jungen Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet. Heute sind Elvira Selimovic und Velit Kilic erwachsen, sie hat bereits eigene Kinder, er arbeitet in der Flüchtlingsbetreuung und managt in seiner Freizeit die Tanzgruppe G-Breaker. Zwei ganz unterschiedliche Menschen, die eins gemeinsam haben: Beide haben nach der Flucht schnell deutsch gelernt und haben mit ihrem Können die Familien unterstützt, wann immer sie gebraucht wurden.

Als Erwachsene erinnern sich die 35-Jährige aus Horndorf und der 25 Jahre alte Lauenburger: Wie hat diese Zeit ihr Leben geprägt? Was hat sie bereichert, was belastet? Und wie hat die Verantwortung ihre Persönlichkeit beeinflusst?

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Velit Kilic

floh 2004 mit seiner Familie aus dem Libanon nach Deutschland. Der 25-Jährige lebt mit seinen Eltern und seinen Geschwistern in Lauenburg und ist in der Flüchtlings- und Jugendarbeit aktiv.

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Elvira Selimovic

floh als Jugendliche bereits einmal mit ihrer Familie von Montenegro nach Deutschland, wurde jedoch nach vier Jahren abgeschoben. 2015 wagte sie mit ihrem Mann und ihren Kindern erneut die Flucht.

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Elvira Selimovic:

"Das war Oktober 1998, als ich mit meinen vier Brüdern und meinen Eltern hergekommen bin. Ich war 17 Jahre alt. Damals haben sie uns auch schon aufgenommen und wir haben eine Wohnung bekommen. In Montenegro war Krieg, deshalb ist mein Vater mit uns hergekommen. Das war schön. Aber dann mussten wir zurück. Meine Eltern durften bleiben, weil mein Vater schwer krank war. Aber er ist nicht geblieben, er ist mit uns zurückgegangen.

In Montenegro bin ich nicht zur Schule gegangen, aber hier in Celle habe ich dann die Schule besucht. Da war ich in der Förderschule und danach bin ich direkt zur Berufsschule gegangen. Zuerst im BVJ (Berufsvorbereitungsjahr), dann BGJ (Berufsgrundbildungsjahr), und dann war es mein Wunsch, Friseurin zu werden. Nach den zwei Jahren habe ich auch einen Ausbildungsplatz in Unterlüß bekommen. Aber dann mussten wir zurück...

Ich in der Schule, das fand ich gut. Natürlich war ich die Älteste, ich konnte ja nicht schreiben. Nur meinen Namen, die meiner Geschwister und meiner Eltern, aber sonst nichts. Aber dann habe ich gelernt. In zwei Schulstunden habe ich alle Buchstaben gelernt. Die Lehrerin war ganz begeistert, dass ich das so schnell gelernt habe. Ich war so glücklich! Ich kann zwar immer noch nicht so schnell lesen, aber ich kann lesen. Wäre ich damals nicht zur Schule gegangen, hätte ich heute nichts.

Und dann habe ich ganz viel für meine Familie gemacht. (Was denn konkret? Haben Sie übersetzt?) Ja, übersetzt - beim Arzt, beim Sozialamt, bei der Behörde, beim Einkaufen, alles. Zu Hause in Montenegro musste ich immer zu Hause sein, Haushalt machen, auf meinen kleinen Bruder aufpassen. Hier habe ich plötzlich mehr gemacht, da haben sie immer mich gefragt und überall hin mitgenommen. Da habe ich gedacht: Guck, ich kann auch was machen, ich kann auch helfen! Und auch anderen Leuten habe ich damals geholfen.

Natürlich hat mich das überlastet. Auf der einen Seite überlastet, auf der anderen Seite war ich froh. Im Sinne von: Ich bin nützlich, ich kann etwas machen. (Würden Sie heute Ihre Kinder übersetzen lassen?) Nicht immer. (In welchen Situationen nicht?) Also bei so etwas Ernstem, in der Ausländerbehörde oder beim Arzt, bei etwas Schlimmem nicht. Bei etwas nicht so Ernstem ja. Man muss ja die richtigen Wörter finden und es gibt Begriffe, die kann man nicht so genau von deutsch auf serbisch übersetzen. Und das ist beim Arzt, beim Gericht oder bei der Ausländerbehörde viel Verantwortung, das richtig zu übersetzen. Da muss man die genauen Worte finden. Das werde ich meine Kinder nicht machen lassen."

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Marian, Sana, Ihab, Suman und Faisal: Diese fünf Kinder haben ganz unterschiedliche Geschichten, jedes von ihnen hat seine eigenen Fluchterfahrungen, musste andere Herausforderungen meistern und das Ankommen in Deutschland auf seine Art bewältigen. Eins allerdings haben alle fünf gemeinsam: Sie übernehmen in ihren Familien große Verantwortung. Ob sie daran wachsen oder leiden? Wir können es nur erahnen und nicht vorhersehen, was die Zukunft für sie bringt. Ihre Unbeschwertheit auf jeden Fall haben alle von ihnen verloren – und mit ihr auch ein Stück Kindheit.

Wir haben mit den Geschichten von Marian, Sana, Ihab, Suman und Faisal Einzelschicksale erzählt, doch die Gespräche mit Lehrern, Sozialpädagogen, mit Behördenmitarbeitern, Ärzten und Psychotherapeuten zeigten auch: Vor den Herausforderungen, vor denen sie stehen, steht eine ganze Generation Flüchtlingskinder in Deutschland. Da sie die ersten sind, die Sprache und Land begreifen, werden sie unfreiwillig zu Familienmanagern. Und: Sie kompensieren ein Stück weit die strukturellen Lücken in unserem System, ersetzen die Dolmetscher, von denen es trotz aller Bemühungen nicht genug gibt, lotsen ihre Eltern durch den Dschungel der Bürokratie, in dem Mutter und Vater anderenfalls allein stünden. Die Kinder können daran wachsen. Doch sie können auch unter der Last zerbrechen.

Wir haben gelernt: Die Situation ist schwierig, nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern, für die gesamte Familie. Denn was macht es mit einem Vater, der sich plötzlich nicht mehr allein um seine Familie kümmern kann? Der ohne seine Tochter kein Paket mehr aufgeben oder beim Einkaufen nach seiner Zigarettenmarke fragen kann? Und was bedeutet es für ein Familiensystem, wenn Kinder sich plötzlich um ihre Eltern kümmern müssen, wenn eben noch starke Väter verstummen und Töchter die Führung übernehmen? Daran können Strukturen, daran können ganze Familien zerbrechen. Wir haben die Kinder oft bewundert für das, was sie leisten. Gleichzeitig haben wir sie bedauert für das verlorene Stück Kindheit, sie manchmal auch beneidet für das bedingungslose Füreinanderdasein ihrer Familien, das in unserer Gesellschaft ein Stück weit auf der Strecke geblieben ist. Mit ihrem Mut und ihrer Stärke, aber auch mit ihrer Verletzlichkeit, ihren Ängsten und Sorgen haben uns diese Kinder sehr berührt und unseren Blick verändert – auf ihre und die Situation ihrer Familien in Deutschland, aber auch auf unsere Kindheit, auf unser Leben. Unsere Gedanken dazu haben wir in einem Blog zur Themenwoche in der Landeszeitung festgehalten.

Wir würden uns wünschen, dass mehr Menschen erkennen, was diese Kinder leisten. Und zwar nicht nur für ihre Familien, sondern für den gesamten Integrationsprozess. Wer genau hinschaut, erkennt: Kinder wie Marian, Sana, Suman oder Faisal ersparen Behörden viel Zeit, weil sie ihren Eltern offizielle Schreiben übersetzen. Sie tragen dazu bei, dass nicht für jede Kleinigkeit ein Übersetzer gerufen werden muss. Sie sorgen dafür, dass Ärzte verstehen, woran ihre Eltern leiden – und dass der nächste Patient ihretwegen nicht länger warten muss.

Die Aufnahme von Flüchtlingen ist keine Einbahnstraße, nicht nur wir geben diesen Familien etwas, bestenfalls nämlich Schutz und die Chance auf einen Neuanfang. Auch sie bringen viel Wunderbares mit in unser Land – zum Beispiel Kinder wie Marian, Sana, Ihab, Suman und Faisal. Kinder mit großem Potential und mit ganz besonderen Fähigkeiten. Sie haben die Chance, zu starken Persönlichkeiten heranzuwachsen. Doch dafür müssen auch wir ihnen die Chance geben. Und wir müssen ihnen helfen, dass sie nicht ausbrennen, dass sie nicht den Mut verlieren und nicht den Glauben daran, dass sie für unsere Gesellschaft mehr sind als "die Flüchtlingskinder".

Hoffen wir, dass diesen Kindern zukünftig ein Stück Last abgenommen wird. Dass mehr Dolmetscher ausgebildet und eingesetzt werden. Dass ihren Eltern auf dem Weg in unsere Gesellschaft noch besser zur Seite gestanden wird. Und dass auch ihre Eltern erkennen, dass die Situation ihren Kindern schaden kann. Uns haben diese Kinder und ihre Familien während der mehr als einjährigen Recherche tief berührt, sie haben uns zum Nachdenken, zum Lachen und zum Weinen gebracht, wir haben von ihnen wahnsinnig viel gelernt – und eine unvergessliche Herzlichkeit erfahren. Damit wir Ihnen mit unserer Themenwoche und dem heute startenden Multimedia-Dossier zeigen und erzählen können, wer sie sind, haben sie uns vertraut, haben uns Einblick in ihre Herzen und Familien gegeben – und auch dafür wieder einmal großen Mut bewiesen.

Katja Grundmann & Anna Sprockhoff 

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Recherche, Redaktion, Text, Konzeption und Umsetzung:
Katja Grundmann und Anna Sprockhoff

Fotos: Andreas Tamme und Hans-Jürgen Wege (tonwert21), Katja Grundmann und Anna Sprockhoff

Video: Katja Grundmann und Frank Lübberstedt

Übersetzung: Sayed Mustafa Hosseini und Kamal Saeed

Förderung: Wir danken dem Verein "Fleiß und Mut e.V." für die Unterstützung des Projekts im Rahmen des Programms "Kartographen - Stipendien-Programm für JournalistInnen".

Unser Dankeschön gilt besonders den Kindern mit ihren Familien und Betreuern.
Außerdem den Mitarbeitern der AWO Lüneburg, den Kollegen der Pressestellen von Hansestadt, Landkreis und der Gesundheitsholding Lüneburg sowie des Landes Niedersachsen, und allen beteiligten Experten, Lehrkräften und Ehrenamtlichen.




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Kira Sethje Eilers - Jobcenter Lüneburg

Sobald Asylbewerber eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, ist das Jobcenter für ihre Leistungen zuständig. Erster Anlaufpunkt dort ist für sie der Empfangstresen von Kira Setje Eilers.

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Susanne Twesten - Bürgeramt Lüneburg

Mit dem Einwohnermeldeamt, dem Standesamt sowie der Ausländerbehörde beherbergt das Bürgeramt Lüneburg drei Institutionen unter einem Dach, die Anlaufstelle für Flüchtlinge im Landkreis sind.

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Christiane Kant - fördern und wohnen

Als öffentlich-rechtlicher Dienstleister der Hansestadt Hamburg bietet "f&w fördern und wohnen" soziale Betreuung und Unterbringung von derzeit rund 10.000 Zuwanderern und Wohnungslosen im gesamten Stadtgebiet.

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Rainer Prinz - Klinikum Lüneburg

Wenn Patienten nach Verkehrsunfällen oder Stürzen bei Rainer Prinz und seinem Team in der Notaufnahme des Lüneburger Klinikums ankommen und kein Deutsch sprechen, geht es vor allem darum, sich schnell zu verständigen. Auch Kinder springen dann häufig als Dolmetscher ein.

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Kapitel 12 FAZIT

Resümee: 

Marian laeuft

Credits

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